Arbeitskleidung Sieht nach Arbeit aus

Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 3/2018

Eine Arbeit zu haben gehört zu den wichtigsten Dingen im Leben. Arbeit fördert das Selbstwertgefühl. Wer eine Arbeit hat, lebt länger. Wer arbeiten kann, fühlt sich eher in die Gesellschaft integriert als jemand ohne Job. Über die Arbeit gibt es so viel Gutes zu berichten, dass sie eigentlich die ganze Zeit verherrlicht werden müsste. Aber das ist selten der Fall – und erst recht nicht in der Mode. Auf den Laufstegen wird Arbeit kaum noch thematisiert. Man hat den Eindruck, sie existiere gar nicht mehr, so sehr verschwimmen die Unterschiede zwischen Office- und Freizeitlook: Männer gehen mit Turnschuhen ins Büro, Frauen in Kleidern, die sie auch am Abend tragen würden. Man möchte nicht so aussehen, als diktiere die Arbeit das Leben. Oder als unterwerfe man sich mit seinem Kleidungsstil dem Dresscode der Angestelltenwelt.

Eher möchte man so wirken, als schaue man auf dem Weg vom Tenniscourt zum Skatepark kurz im Büro vorbei, um ein paar entscheidende Anrufe zu tätigen. Das ist ein Unterschied etwa zu den achtziger Jahren, als man in der Freizeit gern ein Sakko trug, um zu betonen, dass man eigentlich ständig auf dem Weg nach oben sei. Heute wird die Arbeit höchstens als ironisches Zitat benutzt – etwa wenn Maria Grazia Chiuri für die aktuelle Kollektion von Dior Einteiler im Stil klassischer Blaumänner entwirft. Natürlich gibt es kaum Dior-Kundinnen, die einer Arbeit nachgehen, für die man einen Blaumann braucht. Er ist vielmehr aus der Alltagswahrnehmung so sehr verdrängt worden, dass man ihn neu erfinden kann. Seit Automechaniker Kfz-Mechatroniker heißen und Autos digital reparieren, geht man davon aus, dass jemand im Blaumann nicht zwingend mit Öl und Schrauben zu tun hat.

Interessanterweise wurde die Arbeit gerade dann aus unserer Kleiderwelt vertrieben, als sie uns völlig erfasst hatte. Es ist nämlich nicht so, dass wir die Arbeit wegen unseres tollen Privatlebens nicht mehr würdigen würden. Vielmehr ist die Privatsphäre von der Arbeitssphäre völlig aufgebrochen worden. Wir arbeiten heute immer und überall, sind stets ansprechbar, beantworten E-Mails bis in die Nacht hinein und am Wochenende sowieso. Vielleicht wird es Zeit, die Dinge ein wenig zurechtzurücken, im Leben und in der Mode erst recht. Einen Anfang hat jetzt die Uhrenmarke Nomos Glashütte mit der Serie "At Work" gemacht, die sich aufs Wesentliche konzentriert und vor allem fürs Büro gedacht ist. Zu Hause legt man dann eine robustere Freizeituhr an, mit der sich auch im Garten arbeiten lässt. Es wäre zumindest ein Anfang, um Arbeit und Freizeit klar voneinander zu trennen.

Hart erarbeitet: Die Metro neomatik Roségold "At Work" von Nomos Glashütte / Foto: Peter Langer

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