ZEITmagazin: Frau Chebli, Ihre Eltern kamen als staatenlose palästinensische Flüchtlinge 1970 aus dem Libanon nach Deutschland. Ihre Familie hatte lange keine Aufenthaltsgenehmigung. Wie war das für Sie?

Sawsan Chebli: Das einschneidendste Erlebnis war für mich als Kind, meinen Vater in der Abschiebehaft zu sehen. Ich hatte große Angst, dass er Deutschland verlassen muss. Mein Vater hat mir immer den Rücken gestärkt, mir alle Freiheiten der Welt geschenkt. Er war bis zu seinem letzten Atemzug ein Kämpfer. Und er war stets dankbar, auch dankbar, hier sein zu dürfen. Als nach viel Leid und großer Unsicherheit dann endlich die Nachricht zur Einbürgerung kam, war er der glücklichste Mensch. Und für mich war der deutsche Pass das Tor zur Freiheit.