© Silvio Knezevic

Berliner Erbsensuppe Es geht nicht um die Wurst

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Aus der Serie: Wochenmarkt ZEITmagazin Nr. 6/2018

Es soll hier um Schälerbsen gehen, diese kleinen gelben Dinger, die es für keine einsfuffzig die 500-Gramm-Packung im Supermarkt gibt. Normalerweise macht man damit Berliner Erbsensuppe mit Würstchen, aber ich habe sie für dieses Rezept einmal zu einer ganz anderen Suppe verarbeitet, ohne Wurst, dafür mit Kokosmilch, Chili und Kurkuma.

Bevor ich mir von Jens Spahn oder Alexander Dobrindt oder einem dieser neuen Pop-Konservativen den Vorwurf einhandle, ich sei Teil der Berliner Hipsterblase, die alles Deutsche missachte, muss ich sagen: Stimmt teilweise. Denn man muss auch zugeben können, wenn man etwas nicht kann, und mit dem Kochen haben es die Deutschen nun mal nicht so. Da lässt sich trotz wiederentdecktem Nationalismus leider nicht viel machen. Aber vor allem kann ich zu meiner Verteidigung vorbringen, dass ich hier schon ein Rezept für Berliner Erbsensuppe inklusive Wurst veröffentlicht habe, als Dobrindt noch Verkehrsminister war und auch er wohl nicht ahnte, dass die Sinnsuche des deutschen Konservatismus ausgerechnet zu ihm führen würde.

Bei der Zubereitung dieser Erbsensuppe bleibt das Eintopfprinzip gewahrt. Man fängt an mit der Zwiebel, die man in Streifen schneidet und zusammen mit der geschälten, leicht angedrückten Knoblauchzehe, fein gehacktem oder geriebenem Ingwer, den in kleine Würfel geschnittenen Karotten, Chiliflocken und Kurkuma in einem großen Topf in heißem Öl ein paar Minuten lang unter Rühren anschwitzt. Falls es am Boden ansetzt, einen Schluck Wasser dazugeben. Die Erbsen in den Topf geben, mit Wasser und Kokosmilch aufgießen, salzen. Bei geschlossenem Deckel alles 45 Minuten lang oder bis die Erbsen gar sind, simmern lassen.

Berliner Erbsensuppe ganz anders

Zutaten für 4 Personen: 1 Zwiebel, 1 Knoblauchzehe, 1 Stück Ingwer, 70 g Karotten, ½ TL Chiliflocken, 1 TL gemahlene Kurkuma, Pflanzenöl (z. B. Kokosöl), 250 g halbe gelbe Schälerbsen, 400 ml Wasser, 400 ml Kokosmilch, Salz

Kommentare

8 Kommentare Kommentieren

Nichts gegen das Rezept. Liest sich gut und lohnt gewiss den Versuch.
Es kann ja nichts für den Kontext.
"Denn man muss auch zugeben können, wenn man etwas nicht kann, und mit dem Kochen haben es die Deutschen nun mal nicht so. "
Das kann eigentlich nur jemand schreiben, der herzlich wenig von guter deutscher Küche, regionalen Spezialitäten und Leckereien weiß oder wissen will.
Meine französischen Freunde und inzwischen auch meine arabischen Schüler*innen schmecken das ganz anders.

Weder das Eintopfprinzip noch getrocknete Erbsen sind per se "deutsch". Ganz Berlin isst Chana Dal? Eintopfsonntag in Mumbai?

Sind rote Linsen besser als gelbe Erbsen? Oder Schwarzaugenbohnen besser als braune Linsen? Darf man Hülsenfrüchte überhaupt spalten?

Was ist so schlimm an Wurst? Sogar Fidel Castro hat Wurst gegessen. Genauso wie Francisco Franco. Beide stammten aus dem nordspanischen Galizien, wo Wurst in den typischen Eintopf (pote gallego) gehört. Rübenblätter (grelos) auch. Die ich übrigens als nächstes Superfood für Berliner wärmstens empfehlen kann. Daraus kann man zum Beispiel wurstfreie grelos fritos machen. Rübstiele kann man auch essen, zum Beispiel in Hummus gedippt.

Ach, ja eigentlich lässt sich sowieso alles verwursten. Gerade in Berlin. Sea como sea, ¡buen provecho!