Daunenjacke Global gewärmt

Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 6/2018

Der erste Mensch, der sich auf Daunen bettete, soll der römische Kaiser Elagabal gewesen sein. Das deutet darauf hin, wie exklusiv Daunen gewesen sein müssen. Von Elagabal, der sich zu seiner Regierungszeit Marcus Aurelius Antoninus nannte und etwa 200 vor Christus lebte, weiß man vor allem, dass er Jupiter als Götterchef entmachten wollte, um alle Götter dem syrischen Sonnengott unterzuordnen. Außerdem soll er sehr ausschweifend gelebt haben.

Aus der Sache mit dem Sonnengott wurde nichts, aber die Daune hat im Laufe der Zeit stark an Bedeutung gewonnen. Daunen stammen aus dem Untergefieder von Enten oder Gänsen. Sie sind weich und elastisch verästelt, sodass darin Luft gespeichert werden kann. Die zwischen den Verästelungen der Daunen gehaltene Luft bildet eine isolierende Schicht. Die erste verbriefte Daunenjacke mit dem Namen Skyliner wurde 1936 von Eddie Bauer in den USA erfunden, nachdem Bauer sich auf einem Ausflug beim Fischen eine starke Unterkühlung zugezogen hatte. 1940 patentierte der Geschäftsmann die Jacke.

Waren Daunenjacken früher für extreme Bedingungen bestimmt, etwa Skisport und Expeditionen, sind sie nun überall im Einsatz. Jeden Winter sind so viele Daunenjacken in den Straßen zu sehen, dass man glauben könnte, die ganze Stadt befinde sich auf einem Polarausflug. Wir sprechen von globaler Erwärmung, tragen gleichzeitig aber Jacken, die uns eher auf die nächste Eiszeit vorzubereiten scheinen. So finden sich in den aktuellen Winterkollektionen der Luxusmarken überall Daunen – etwa bei Jil Sander, Balenciaga, Vetements, Stella McCartney und Issey Miyake.

Die Verdaunung der Welt ist nicht unproblematisch, denn in einer Daunenjacke kann mehr unnötiges Leid von Tieren stecken als in einem Pelzmantel. Besonders in China werden Vögel mehrmals im Jahr ohne Rücksicht auf die individuelle Mauser gerupft. Die Herkunft von Daunen ist oft wenig transparent. Beim Kauf sollte man darauf achten, ob die Hersteller garantieren können, dass keine lebenden Tiere gerupft wurden. Etliche Marken, etwa Woolrich, weisen das nach. Für ein Kilogramm Gänsedaunen werden 250.000 bis 400.000 von den kleinen Federn benötigt. Auch das sollte einem beim Kauf der Winterjacke bewusst sein.

Elagabal war wegen seiner Verschwendungssucht übrigens verhasst. Bei einem Gelage soll er so viele Rosenblätter auf seine Gäste gestreut haben, dass einige erstickten. Er wurde bei einer Meuterei von Soldaten nach nur vier Amtsjahren ermordet. Sonst hätte er wohl noch die Kissenschlacht erfunden.

Foto: Peter Langer / Daunenjacke von Woolrich, 590 Euro

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