Die großen Fragen der Liebe Soll sie zum Mann ihrer Träume fliegen?

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ZEITmagazin Nr. 6/2018

Die Frage: Christine und Georg kennen sich seit dem ersten Semester, verloren sich aus den Augen und trafen sich viele Jahre später wieder. Christine behauptete manchmal, sie habe seit dem ersten Kennenlernen immer nur ihn geliebt. Auf jeden Fall sind sie seither ein Paar. Der Alltag, ein gemeinsames Kind, zwei Stiefkinder aus Georgs erster Ehe, viel Streit und Stress – Christine fühlte sich überlastet. Dann plötzlich der Ausweg: eine Affäre mit Jim, einem Amerikaner. Noch nie hatte ein Mann Christine so tief aufgewühlt. Vor einem halben Jahr hat sie ihn auf Facebook wiedergefunden. Georg soll ihr erlauben, zu ihm zu fliegen, um herauszufinden, ob sie eine Zukunft haben. Georg ist unsicher: Wird Christine zur Vernunft kommen? Oder wird sie ihn verlassen?

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Warum belebt Christine eine Affäre, die sie bisher nur selten beschäftigt hat? Es liegt wohl an ihrer Lebenskrise und an einer persönlichen Eigenschaft, die sie auszeichnet und die Georg anfangs gefallen hat: Sie ist schnell begeistert. Wenn sich Jim im fernen Amerika auf ihr Schwärmen einlässt, spricht das erst einmal noch nicht für eine besonders tiefe Seelenverwandtschaft, sondern eher für die weite Verbreitung jener Krisen der Lebensmitte, in denen seit biblischen Zeiten die drohende Alterskälte durch romantische Fantasien bekämpft wird. Der hilfreiche Satz in Georgs Situation lautet: "Du musst selbst wissen, was du tust, ich werde es dir weder erlauben noch verbieten, und ich kann dir auch nicht vorab sagen, wie ich auf deine Entscheidungen reagieren werde."

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Zuletzt erschien sein Buch "Die Seele des Psychologen. Ein autobiografisches Fragment" (Orell Füssli)

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