Leihräder Mirko Borsche ärgert sich über zerstörte Leihräder

© Mirko Borsche
Aus der Serie: Unter Strom ZEITmagazin Nr. 10/2018

In einer Stadt wie München ist Radfahren oft praktischer als Autofahren, man kommt per Fahrrad überall gut hin. Bei uns im Büro benutzen viele die Leihräder der Bahn oder der Münchner Verkehrsgesellschaft – sie sind günstig und umweltfreundlich. Vor einigen Monaten tauchten an vielen Straßenecken plötzlich neue, grau-gelbe Leihräder auf. Die mysteriösen Obikes.

7.000 Räder hat die Firma aus Singapur in der Stadt verteilt, sie expandiert gerade weltweit. Um die Räder zu benutzen, lädt man eine App herunter, sie zeigt einem die Standorte der Räder an. Die Fahrräder sind mit einem QR-Code ausgestattet, den man einscannen muss, dann geht es los. Einen Euro kostet die Benutzung pro halbe Stunde. All das weiß ich aus der Theorie – gefahren bin ich mit den Obikes noch nie.

Wenn ich durch die Stadt laufe, sehe ich zerbeulte, umgestoßene, zu Pyramiden aufgetürmte Obikes. Kaputte Fahrräder, die wie mahnende Kunstinstallationen von Straßenschildern herabhängen. Gelb-graue Schrotthaufen, die die Landschaft vermüllen. Was ich nicht sehe: Fahrräder, auf denen man fahren könnte.

Die Firma ist umstritten, vor ein paar Wochen berichtete der BR von einem Datenleck: Persönliche Informationen und Bewegungsprofile waren im Internet zu finden. Ich kann verstehen, dass das viele aufregt. Wer etwas dagegen tun will, kann ja einen Aufruf zum Boykott schreiben. Aber was bringt die organisierte Zerstörung?

Eine Weile hat die Firma versucht, die Obikes reparieren zu lassen, nun rotten die Räder vor sich hin. Unter dem Müll leiden vor allem die Münchner. Und die Umwelt.

Technische Daten:

Gänge: 1

Miete: per QR-Code

Kaution: 79 Euro

Gebühr: 1 Euro pro angefangene 30 Minuten

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