Regenmantel Es werde nass

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 11/2018

Kommt Frühling, kommt Regen. Seit es Menschen gibt, wollen sie sich das Nass vom Leib halten. Die Geschichte des Regenmantels geht zurück bis ins alte China, wo um etwa 1000 vor Chr. Regencapes aus Stroh oder Gras hergestellt wurden. Damit schützten sich die Bauern bei ihrer Arbeit in Monsunzeiten vor dem Wetter. Damals war der Regenschutz allerdings steif und schwer, das wurde zu jener Zeit sogar in Gedichten bemängelt – weshalb man heute überhaupt nur von diesen Urahnen des Regenmantels weiß.

In Südamerika sollen Amazonas-Völker bereits 1200 n. Chr. den Milchsaft des Kautschukbaums verwendet haben, um ihre Kleider und Schuhe zu imprägnieren. Und die Inuit haben eine Art Kleber aus geschmolzenen Knochen hergestellt, um damit die Nähte zwischen zwei Gewebebahnen zu versiegeln. So stellten sie funktionelle Stoffe her, die leicht und zum Teil sogar transparent waren. Sie entwickelten auch eine besondere Nähtechnik, um Nähte zu setzen, die kein Wasser durchlassen – beispielsweise für wasserfeste Robbenfellstiefel.

Die Chinesen wiederum erfanden im 17. Jahrhundert Regencapes, die aus ganz weichem, wasserabweisendem Gras hergestellt wurden. Diese Technik wurde immer weiterentwickelt: Zur Zeit der Qing-Dynastie (1644 bis 1912) trugen Kaiser und hohe Beamte schmucke Mäntel aus Blättern der Pappelfeige, die miteinander verwebt wurden.

In Europa hat man sich vor allem damit beschäftigt, einen wasserabweisenden Mantel für die Tage auf See zu optimieren. Ende des 17. Jahrhunderts versuchte man mit verschiedenen Methoden, Kleidung wasserdicht zu machen. Man sprach damals von "Ölzeug": Stoffe, meist aus Leinen hergestellt, wurden dabei mit Leinöl imprägniert, damit sie wasserundurchlässig wurden. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch Kautschuk zum Abdichten des Gewebes verwendet. Eine moderne, atmungsaktive Version des Ölzeugs entwickelte der Australier Edward Le Roy im Jahr 1898. Da hatte der Chemiker Charles Mackintosh schon längst (1823) seinen wasserdichten Baumwollstoff patentieren lassen, der dann für die Herstellung seiner bis heute bekannten Mackintosh-Mäntel diente.

Wir sehen also: 3000 Jahre lang war der Regen unser Feind. Nun ist es an der Zeit, Freundschaft zu schließen und sich mit ihm zu versöhnen. Und zwar dank der schönen Regenmäntel, die es in dieser Saison gibt. Woolrich etwa hat halbtransparente Regenmäntel im Programm, bei Burberry gibt es sie sogar in bunten Farben, die noch dem miesesten Regentag eine fröhliche Note geben. So hofft man (fast) auf schlechtes Wetter.

Peter Langer / Da blickt man durch: Transparenter Regenmantel von Woolrich

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