Jennifer Garner Über nicht verstecktes Scheitern

© Gustavo Caballero/Getty Images for Allied
Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 12/2018

Die amerikanische Schauspielerin Jennifer Garner unterhält seit Anfang des Jahres auf ihrem Facebook-Account eine, so ihr selbst gewählter Titel, "Pretend Cooking Show". Sie tut dort in kurzen Videos so, als könne sie kochen und backen und tritt wie in einer Koch-Show im Fernsehen auf. Am kläglichsten scheiterte Garner bisher an Bagels. Bagels kriegen selbst in New York nur eine Handvoll Bäckereien wirklich gut hin. Und trotzdem schauen ihr Hunderttausende zu, spenden überschwänglichen Applaus oder echten Trost (vereinzelte Kritik gab es bislang nur, weil sie die misslungenen Bagels in den Mülleimer warf).

Jennifer Garner ist nicht die einzige Prominente, die derzeit in kleinen Filmchen auf Social Media verpatzte Alltagsmomente zur Schau stellt. It’s a thing! Neunziger-Jahre-Ikone Busy Philipps (bekannt aus Dawson’s Creek und Freaks and Geeks) hat ihr Leben in eine Sitcom auf Instagram verwandelt und weint dort regelmäßig, weil sie immer wieder daran scheitert, ihren Töchtern ein Frühstück zu machen oder sie für den Schulausflug warm anzuziehen. Whitney Port, Reality-Star aus MTVs The Hills oder The City, hat eine eigene Serie auf YouTube, I Love My Baby, But ..., und zeigt, was mit ihrem Neugeborenen alles schiefgeht. Der Erfolg dieser Serien beruht vor allem darauf, dass es für den Zuschauer wohltuend ist, festzustellen, dass er nicht der einzige Depp auf diesem Planeten ist und dass selbst den scheinbar perfekten Übermenschen in Hollywood immer wieder Missgeschicke passieren, sogar in Serie. Aber sind diese kleinen Home-Videos wirklich so unschuldig und selbstironisch, wie sie aussehen? Oder wollen die Protagonistinnen mit Sendungen dieser Art nur neue Rollen oder eine Show im "richtigen" Fernsehen ergattern?

Selbst wenn es so wäre! Das Format an sich hat allergrößten Unterhaltungswert und allergrößtes Entwicklungspotenzial. Wie lässig wäre es, wenn sich Britney Spears endlich eingestehen würde, dass ihre Kleiderwahl unter aller Kanone ist, und statt der sehr ernst gemeinten Outfit-Posts auf Instagram eine Videoserie mit dem Titel "Pretend Fashion Show" starten würde? Vielleicht inspiriert sie damit auch gleich Miley Cyrus. Und die Scheidungsköniginnen Drew Barrymore und Jennifer Lopez könnten uns mit "I Love Weddings, But ..." wirklich zum Lachen bringen. Das große öffentliche Scheitern hat gerade erst begonnen. Es wird eine Befreiung für alle sein.

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