Lautsprecherboxen Mirko Borsche empfängt im Büro Besuch aus Lettland

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Aus der Serie: Unter Strom ZEITmagazin Nr. 12/2018

Bei uns im Büro haben wir nur Lautsprecherboxen, die nach nichts klingen. Daher dachte ich mir: Probieren wir doch mal die Aktiv-Lautsprecher von Reflector.Audio aus, einer Firma aus dem Baltikum. Kurze Zeit später rief mich ein Mann mit russischem Akzent an und fragte, wann er zum Aufbauen vorbeikommen könne. "Das wird ziemlich laut bei Ihnen im Büro", sagte er und lachte.

Einige Wochen später stand er vor unserer Tür: Ein Mann von zwei Metern, sein Name war Andrej. Neben ihm ein kleiner, schüchterner Kollege. Das war der Designer und Geschäftsführer der Firma, extra aus Lettland eingeflogen. Mit der Begeisterung von Kindern wuselten die beiden durch unser Büro, um zwei große Lautsprecher aufzubauen. Sie stehen auf drei Beinen und bestehen aus vier schwarzen, runden Boxen, die an riesige Insektenaugen erinnern.

Andrej und sein Chef hatten einen Computer dabei, an den sie die Boxen anschlossen. Damit konnten sie ihre High-End-Soundfiles abspielen. Um den Klang zu testen, legten sie ihre Hände an die Ohren und machten mit einem Richtmikrofon Aufnahmen. Der Sound, das muss ich zugeben, ist tatsächlich brillant. Allerdings ist er auch sehr laut. Wenn man ihn aufdreht, fühlt man sich so, als würde man bei einem Konzert neben den Boxen stehen. Die Anlage, das wurde mir erst jetzt klar, kostete mit beiden Lautsprechern insgesamt über 30.000 Euro.

Als er sich verabschiedete, sagte Andrej zu uns: "Das bleibt jetzt ein paar Wochen hier stehen, ich hole die Anlage ab, wenn ich sie wieder brauche." Bis dahin benutzen wir seine Boxen auf gedämpfter Lautstärke. Und hören die Musik, die er auf seinem Computer mitgebracht hat: Klassik und Jazz.

Technische Daten:

Größe: 80 x 130 x 35 cm

Frequenzen: 30 Hz–20 kHz

System: Stereo

Gesamtpreis: 31.000 Euro

Anm. d. Red., 15.3.2018: Im Originalartikel wurden leider falsche Angaben zum Hersteller und den technischen Daten gemacht. Wir entschuldigen uns für die Verwechslung und haben dies hier korrigiert.

Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Ich sehe jetzt den Vorteil dieses Lautsprechersystems nicht gegenüber einem Punktstrahler. Die Konstruktion sieht gelinde gesagt abenteuerlich aus, der Ständer erinnert mich an die Antenne eines ITT Kassettenrekorders. In der Regel ist es so, dass eine perfekte Konstruktion auch eine innere Schönheit mit sich bringt. Gegenbeispiel siehe oben. Auch das Motto der Firma "der beste Lautsprecher hat keine Verschalung" müsste nochmal überarbeitet werden, das scheint nicht zwingend das oberste Maxim der Audiophilie zu sein. Zum Glück kann ich mir das Produkt nicht leisten - und eine Cabasse Baltic leider auch nicht.