Mode und Geld Schöner Schein

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 12/2018

Mode und Geld sind schwer zu trennen. Jedenfalls, wenn man Mode nicht einfach nur mit Kleidung gleichsetzt. Kleiden müssen sich alle. Mode zu tragen bedeutet, sich abheben zu wollen. Das muss nicht teuer sein, ist es aber zumeist. Schließlich ist Geld das zuverlässigste soziale Ausschlusskriterium. Anders wäre es wohl kaum zu erklären, warum Kleidung von Marken wie Vetements oder Off White trotz gewöhnlicher Materialien und Schnitt zu Preisen angeboten wird, die sich nur etwa ein Prozent der Bevölkerung leisten können. Gezielt werden nur Menschen angesprochen, die es aufregend finden, für eine Jeans 700 Euro und ein Sweatshirt mit Aufdruck 400 Euro zu zahlen.

Darin ist Bargeld der Mode sehr ähnlich: Ebenfalls aus billigem Material hergestellt (Zellstoff oder Kunststoff), funktioniert es nur, wenn man ihm einen gewissen Wert zuschreibt. Letztlich drücken wir uns gegenseitig bedrucktes Papier in die Hand und müssen daran glauben, dass es etwas Besonderes ist. Geld war schon früh ein wichtiges Kommunikationsmittel. Die römischen Kaiser ließen ihr Konterfei auf Münzen prägen, damit jeder im Land wusste, wer der Herrscher ist. Dass später Leute wie Thomas Jefferson, George Washington und Abraham Lincoln auf Dollar-Scheinen abgebildet wurden, hatte noch einen anderen Grund: Veränderungen in Gesichtern fallen auch Laien instinktiv auf, weshalb Fälschungen besser zu erkennen sind. Und Geldscheine müssen vor allem fälschungssicher sein.

Heute werden immer mehr Transaktionen bargeldlos abgewickelt, und manch einer investiert lieber gleich in virtuelle Währungen. In der bargeldlosen Welt hat der Dollar kein Gesicht mehr, und der Euro zeigt keine stilisierten Bauwerke. Vielleicht ist ein bisschen Abschiedsschmerz der Grund, warum in dieser Saison vermehrt Geldscheine als Motive in der Mode auftauchen. So ließ Demna Gvasalia, Chefdesigner bei Balenciaga, Dollar- und Euro-Noten auf Stiefel drucken. Das New Yorker Label Vaquera hat Kleider mit Fünf-Dollar-Noten als Prints im Programm. Vor zehn Jahren wäre das als selbstherrliche Geste von Neureichen verstanden worden. Heute aber ahnt man, dass der wahre Mammon nicht mehr im Bargeld liegt, sondern in Bitcoins. Bilder von Banknoten sind bereits Teil einer ironischen Brechung. Jefferson, Lincoln und Washington sind nette Onkels aus der vergehenden analogen Welt. Hinzu kommt: Um Stiefel wie jene von Balenciaga zu kaufen, reicht oft nicht Geld allein. Man muss auch wissen, wann sie wo angeboten werden. Erst dann gehört man zur neuen Avantgarde des Informationszeitalters.

Peter Langer / Schuhwerk, dem man den Preis ansieht: Stiefel von Balenciaga

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