Plastik in der Mode Durchsichtige Strategie

© Peter Langer
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Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 13/2018

Die Plastiktüte verursacht große Umweltprobleme, und die Politik hat ihr daher den Kampf angesagt. Voriges Jahr haben die Einzelhändler sich verpflichtet, die Tüten nicht mehr kostenlos abzugeben. Wer in einem Geschäft eine Plastiktüte haben will, muss nun dafür zahlen. Dabei ist es unerheblich, ob man zuvor für 50 Cent oder für 500 Euro eingekauft hat.

Der Preis, den man für die Tüte zahlen muss, beträgt nur ein paar Cent, der moralische Preis ist allerdings hoch. Die Plastiktüte macht einen für alle erkennbar zum Umweltzerstörer. Wer sie durch die Gegend trägt, signalisiert: Mir ist es lieber, die Umwelt mit einer weiteren Plastiktüte zu belasten, die Jahrhunderte überdauern wird, bis sie abgebaut ist, als gleich von vornherein von zu Hause eine Tasche oder einen Stoffbeutel mitzubringen. Sie ist das Accessoire für Egoisten. Man kann sich damit deutlicher positionieren als mit einem Nerz.

Vielleicht ist die Mode deshalb auf die Plastiktüte aufmerksam geworden. Zurzeit sind die Laufstege gefüllt mit Objekten im Plastik-Look. In der aktuellen Kollektion von Céline gibt es Taschen, die aussehen wie Plastiktüten, und auch bei Chanel sind Taschen aus durchsichtigem PVC im Programm. Bei den Schauen mit der Mode des kommenden Herbsts trugen die Models bei Burberry, Ashish und Marine Serre Taschen im Design von Plastiktüten über den Laufsteg.

Auf den ersten Blick ist das ein Widerspruch: Wie kann Plastik Luxus sein? Luxus, so die landläufige Ansicht, braucht besondere Materialien. Also etwa exotisches Leder von Strauß, Schlange oder Alligator. Allerdings wirkt ein Material nie von sich aus exotisch und luxuriös. Das tut es erst, wenn es mit exotischen Bildern aufgeladen ist. Zum Beispiel mit dem eines riesigen Vogels, der über eine Steppe rennt. Oder dem eines Krokodils, das im Sumpf erlegt worden ist. Diese Bilder enthalten Träume von weit entfernten Landschaften, in denen Großwildjäger die Flinten knallen lassen, und sie haben einmal die Exklusivität der Materialien bestimmt.

Das ist zum Glück vorbei. Heute wissen wir, dass auch die exotischsten Leder von Tieren stammen, die in Farmen gezüchtet werden (manchmal leider unter schlimmen Bedingungen). Was einerseits besser für den Artenschutz ist, andererseits dem Leder die Magie nimmt. In Zeiten der Globalisierung gibt es nichts Exotisches mehr. Und so kann Plastik heute genauso luxuriös erscheinen wie Pythonleder. Wobei die neuen Luxus-Plastiktüten eine sehr vorteilhafte Eigenschaft haben: Sie sind so teuer, dass man sie ganz bestimmt mehr als einmal benutzt.

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