Lange Handschuhe Handspiel

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Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 14/2018

Der lange Handschuh müsste eigentlich ausgestorben sein, denn es gibt kaum etwas Unpraktischeres: Er ist sehr umständlich anzuziehen, und wenn man ihn auszieht, ist es, als würde man sich einer Strumpfhose entledigen. Wie kann so ein Kleidungsstück in Zeiten der Sportswear, wo alles gleichermaßen schön wie bequem sein soll, Bestand haben? Zumal diese Zeit nicht gerade handschuhfreundlich ist: Man kann heute nicht mal mehr einen Anruf auf dem Smartphone annehmen, ohne dazu genötigt zu werden, das Telefon auf dem Touchscreen mit den bloßen Fingern zu entsichern.

Trotzdem sind lange Handschuhe in den aktuellen Modekollektionen ziemlich verbreitet, man sieht sie etwa bei Missoni, Erdem, Moschino und Off White. Und zwar in den Kollektionen für den kommenden Sommer, in dem man ja eigentlich überhaupt keine Handschuhe braucht, jedenfalls wenn man einigermaßen optimistisch den warmen Monaten entgegenschaut. Im Herbst und Winter macht die Mode dann wirklich Ernst mit Handschuhen. Bei den jüngsten Schauen waren Exemplare zu sehen, die bis zum Ellbogen reichen (bei Max Mara oder Chanel), und solche, die sogar noch weiter gehen (bei Richard Quinn).

Der lange Handschuh war schon immer widersprüchlich. Er ist ein Kind der Revolte – und zugleich eines der Verklemmtheit. Populär wurde er nach der Französischen Revolution. Jene hatte der üppigen Mode des Barock den Garaus gemacht. Der Adel hatte zwar auch Handschuhe getragen – die gingen aber nur bis über das Handgelenk, denn die Kleider hatten ja lange Ärmel. In der Mode des Empire sollte die Frau zwar befreit werden, und die Kleider wurden kurzärmelig – aber der lange Handschuh kehrte zurück.

Er schafft Distanz, weil er die bloße Haut bedeckt. Doch er wirkt auch anziehend, denn nur etwas Reizvolles wird vor fremden Blicken verborgen. So wurde der lange Handschuh in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zum Symbol des Mondänen: Christian Dior integrierte ihn in seinen New Look, und Jackie Kennedy machte ihn bei Staatsbesuchen populär. Audrey Hepburn trug lange Handschuhe in Frühstück bei Tiffany und Marilyn Monroe in Blondinen bevorzugt. Vielleicht ist es diese elegante Note, die den langen Handschuh wieder zurück auf den Laufsteg bringt. Womöglich hat man so viel Nacktheit gesehen, dass man gerne wieder etwas mehr Stoff am Arm hat. Dabei wirkt der Handschuh heute doppelt distanzierend: Wer ihn trägt, hat es schwer, mal eben auf dem Handy durch Facebook zu scrollen. 

Peter Langer / Fünf gewinnt: Langer Fingerhandschuh von Erdem

Kommentare

7 Kommentare Kommentieren

der lange handschuh ist eine idee von irgendwelchen schwulen modedesignern

(nicht böse gemeint),

die die frau zu affen machen wollen und in der klamottenkiste der mode graben, da ihnen sonst

nichts neues einfällt.

mit schaudern denke ich an die damen mit twerk popo, und twerk hüftringen, energizer drinks

konsumierend und dazu mit handschuhen und langen stulpen.

die legging für den fetten unterarm.

hat der tierarzt übrigens auch, bei der künstlichen besamung > bis zum ellenbogen.

daher die geilheit der designer.