Regenbogen-Muster Himmel, was für Farben

Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 17/2018

In diesem Sommer kommt die Mode in himmlischen Farben daher: Wo immer man hinblickt, gibt es Regenbogen-Muster zu sehen. Bei Missoni findet es sich aktuell auf Sonnenhüten und bei Hogan auf den Plateausohlen von Sneakern. Bei Dolce & Gabbana und Philosophy di Lorenzo Serafini sind Kleider mit auffallend bunten Streifen zu sehen. Und das ist nur der Anfang. In den Herbst-Winter-Kollektionen von Burberry wurde bereits eine Daunenweste im Regenbogen-Look gesichtet. Was ist nun eigentlich an Regenbögen so großartig?

Man muss ihnen zugutehalten, dass sie außergewöhnliche Naturerscheinungen sind. In frühen Zeiten, als die Welt vor allem graubraun war, muss ein buntes Farbspektrum am Himmel als etwas gigantisch Schönes wahrgenommen worden sein. Im Regenbogen sah man Farben, die reiner und klarer waren als alles, was man kannte. Man wähnte ihn göttlichen Ursprungs. Bei den australischen Aborigines beispielsweise ist die "Regenbogen-Schlange" die Mutter aller Clans und Herrin der Traumzeit.

Die Griechen der Antike sahen im Regenbogen den Gürtel der Göttin Iris, und in vielen Sintflut-Mythen ist der Regenbogen das göttliche Zeichen dafür, dass die Katastrophe ein Ende hat. Der Regenbogen ist durchweg positiv besetzt. Kein Wunder, dass sich die Greenpeace-Aktivisten der frühen Jahre Regenbogen-Krieger nannten.

Als Naturschauspiel hat der Regenbogen eine spektakuläre Wirkung. Unter ästhetischen Gesichtspunkten ist er allerdings eine Katastrophe. Nur weil die Naturgesetze ganz viele Farben im Lichtspektrum zusammengepackt haben, heißt das noch lange nicht, dass diese Kombination optisch gelungen ist. Regenbögen sind ungemein profan. Sie sind von ihren Farbkontrasten her ungefähr so spannend wie das Bild eines Kindes, das alle Buntstifte gleichzeitig greift und damit herumkritzelt. Wer sich dem Regenbogen verschreibt, ist modisch verloren. Alles einfach bunt zu machen ist so interessant, wie es das Testbild im Fernsehen einmal war.

Aber womöglich hat ein Regenbogen-Look auch gar nicht den Anspruch, schön zu sein. Er soll hauptsächlich beweisen, dass man ein fröhlicher Mensch ist – einer mit kindlichem Gemüt. Doch es sei an dieser Stelle betont: Man kann dieses Gemüt auch haben und sich trotzdem modisch ansprechend kleiden. Sich hingegen bunt anzuziehen, obgleich man so fröhlich wie ein Topf Sauerkraut ist, funktioniert gar nicht.

Ja, Gott hat uns den Regenbogen geschenkt. Das war wirklich nett. Aber man sollte das Ding da lassen, wo es hingehört: am Himmel.

Peter Langer / Vom Himmel hoch: Regenbogen-Sneaker von Hogan

Kommentare

5 Kommentare Kommentieren

die sneakers regenbogen farben???
ich farbenblind?
tillmanns erwürgte kommentare...
regenbogen farben in kollektionen..
vielleicht ein empathisches zeichen der designer fuer minderheiten..
schon mal so gedacht herr pruefer?
wann endlich wird diese kolumne
von der zeit redaktionell umbesetzt?
mode wandelt sich..verlangt interpretation von jungen frischen
menschen..
wenn man älter wird sollte man sich mode aus einem anderen blickwinkel anschauen und die dafür so wichtige flexibilität juengeren überlassen, die
mode frisch und zeitgemäß interpretieren koennen.
herr pruefer , die zeit ist da!