Deutschland: Die Formen der Dörfer

Schlimm genug, dass die Supermärkte überall gleich aussehen. Wenigstens wahren Deutschlands Dörfer die regionale Formenvielfalt – und man weiß immer, wo im Land man ist. Von
Aus der Serie: Deutschlandkarte ZEITmagazin Nr. 19/2018

Mehr breit als lang

Karte: Wo überwiegen welche historischen Dorfformen?
Wer auf Landstraßen über die Dörfer fährt, dem fallen sofort die immergleichen Pennys und Lidls auf – und seltener, dass viele Dörfer ja eine gemeinsame Gestalt verbindet. Meistens ist eine Form typisch für eine Region. Um das zu verstehen, muss man ziemlich weit zurückblicken: Die alten Dörfer westlich der Elbe-Saale-Linie sind schon vor dem Jahr 800 entstanden. Typisch ist hier das Haufendorf, es sieht so aus, wie Kinder Dörfer malen: ungeordnet. Haufendörfer entstanden dort, wo der Boden sehr fruchtbar war: Die Flächen rund ums Dorf reichten für mehrere Höfe. Im Nordwesten und im heutigen Bayern – weniger fruchtbar – überwiegen Einzelhöfe, bis heute. Vom Jahr 800 an kolonisierten die Germanen den Osten, und zwar recht überlegt: Ein Lokator genannter Mann suchte Baugebiete und gab vor, wie das Dorf aussehen sollte. So entstanden vor allem die Angerdörfer um einen ovalen Dorfplatz, den Anger. Darauf waren Löschteich, Kirche, Friedhof. Viele Angerdörfer sind bestens erhalten, der Kenner achtet auf den leichten Knick in der Hauptstraße.

Kommentare

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Anscheinend herrscht dort, wo ich wohne, heilloses Durcheinander. Ist mir bisher nie aufgefallen. Wenn ich so nachdenke, scheinen sich die meisten Dörfer im Umkreis eher am Gelände als an irgendetwas anderem zu orientieren. Zentrale Kirchen oder Weiher sind die Ausnahme. Bisher wusst ich nur, dass die Osteuropäer sehr auf Straßendörfer stehen, teils stehen in Polen Häuser kilometerweit hauptsächlich an einer Durchgangsstraße.