Katja Suding: "Mich hat es immer an die Elbe gezogen"

Die FDP-Politikerin Katja Suding hatte für sich eigentlich eine andere Karriere vorgesehen. Überraschende Neuwahlen für die Bürgerschaft warfen ihre Lebensplanung über den Haufen. Protokoll:
Aus der Serie: Das war meine Rettung

"Ich bin Ende 1999 wegen meines ersten Jobs bei einem Internet-Start-up nach Hamburg gezogen. Davor hatte ich in Münster Kommunikationswissenschaft studiert und mir immer vorgestellt, mal in Hamburg zu leben. Ich kannte die Stadt schon ein bisschen und habe mich als Norddeutsche gleich heimisch gefühlt. Mich hat es immer an die Elbe gezogen. Ich mag den Fluss, er ist ein bisschen rauer als die Alster. Es ist gigantisch, wenn man auf der Elbchaussee unterwegs ist und auf dem Wasser direkt daneben ein großes Containerschiff entlangfährt. So etwas gibt es in keiner anderen Stadt der Welt.

Später hat sich dann gezeigt, dass ich politisch zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. In Hamburg begann das, was jetzt mein Leben stark bestimmt: meine politische Laufbahn. Ich bin 2006 in die FDP eingetreten, mit 30. Dieser Partei habe ich schon immer nahegestanden. Auslöser für den Eintritt war ein Bekannter, der im Vorjahr Wahlkampf für die FDP gemacht hatte. Das fand ich unglaublich spannend. Außerdem war mein zweiter Sohn gerade zwei Jahre geworden. Das bedeutete, abends konnte ich ab und an wieder das Haus verlassen.

Bei der Bundestagswahl 2009 habe ich das erste Mal für die FDP kandidiert – als Direktkandidatin in Altona, dem damaligen Wahlkreis von Olaf Scholz. Es war klar, dass ich keine Chance hatte. Eineinhalb Jahre später gab es in Hamburg überraschend Neuwahlen, und ich wurde Spitzenkandidatin. In meiner Lebensplanung war das damals nicht vorgesehen, ich hatte gerade ein neues Jobprojekt begonnen.

Mir blieben nur wenige Wochen Zeit, um mich als Kandidatin bekannt zu machen. Der Sprung 2011 in die Hamburgische Bürgerschaft war viel größer als der Sprung jetzt in den Bundestag. Damals hat sich mein Leben auf einen Schlag verändert. Da wir zuvor zwei Legislaturperioden nicht im Parlament waren, konnte ich als Quereinsteigerin mit meinem Team alles neu aufbauen und viel selbst gestalten. Früher hätte ich mir ein Leben als Berufspolitikerin mit den öffentlichen Auftritten kaum vorstellen können. Da bin ich mit der Zeit reingewachsen."

Kommentare

0 Kommentare Kommentieren