Madoka Sugai: "Ich sprach kaum Englisch, geschweige denn Deutsch"

Die Ballerina Madoka Sugai tanzt, seitdem sie drei Jahre alt ist. Sie träumte davon, als Solisitin auf der Bühne zu stehen. In Hamburg ging dieser Traum für sie jetzt in Erfüllung. Protokoll:
Aus der Serie: Das war meine Rettung

"Ich war gerade 18 geworden, als ich 2012 nach Hamburg kam. In den ersten Wochen kam mir die Stadt vor wie eine neue Welt, denn ich hatte nie außerhalb Japans gelebt. Am meisten hat mich überrascht, wie aufgeschlossen viele Deutsche sind. Ich bin noch heute überrumpelt, wenn mich plötzlich jemand anspricht und mir seine Hilfe anbietet. Das macht man in Deutschland anscheinend so – Leuten den Weg zeigen oder sie auf eine schöne Tasche ansprechen.

Nachdem ich im Februar 2012 beim Prix de Lausanne, einem internationalen Tanzwettbewerb in der Schweiz, ein Stipendium gewonnen hatte, hatte ich die Wahl, an verschiedene Orte der Welt zu gehen. Meine Priorität war eigentlich eine klassische Ballettkompanie in Europa, wie das Royal Ballet in London. Aber ich entschied mich für Hamburg, für das Bundesjugendballett, das von John Neumeier initiiert wurde. Es ist eine kleine Kompanie, die aus nur acht Tänzern besteht. Noch im selben Jahr zog ich nach Hamburg, in eine gemeinsame Wohnung mit meiner brasilianischen Kollegin Gabriela Finardi. Die Verständigung war am Anfang schwer. Ich sprach kaum Englisch, geschweige denn Deutsch. Es reichte höchstens, um mich auf Englisch vorzustellen – und für Sätze wie ›Ich mag keine Avocados‹. Nicht genug für eine Unterhaltung. Also habe ich versucht, mir Englisch selbst beizubringen, und lernte abends nach dem Training, anhand von Büchern. Die anderen Tänzer redeten viel mit mir, sodass ich die Sprache üben konnte.

Nach dem Bundesjugendballett wurde ich dann 2014 ins Hamburg Ballett übernommen. Ich habe hier eine Menge gelernt, die wichtigste Lektion war vermutlich: Express yourself!, Geh aus dir raus! Ich bin eher schüchtern und zeige meine Gefühle nicht. Beim Tanzen muss man aber einen Charakter entwickeln, den man nach außen trägt. Das habe ich nun verinnerlicht.

Ich tanze Ballett, seitdem ich drei bin. Nun stand ich in Don Quixote zum ersten Mal als Solistin auf der Bühne – nach nur drei Jahren in der Kompanie. Mein Traum ist in dieser Stadt in Erfüllung gegangen. Bei der Premiere wurde ich plötzlich von dieser Energie ergriffen, die von all den anderen Tänzern um mich herum ausging. Seit dieser Erfahrung ist meine Leidenschaft fürs Ballett noch stärker geworden. Hamburg ist mittlerweile mein zweites Zuhause. Auch wenn mir zwischen den Proben wenig Zeit bleibt, habe ich natürlich schon japanische Restaurants getestet, besonders gut fand ich das Sushi bei Ono."

Madoka Sugai, 23, tanzt vom 3. 5. an eine der Hauptrollen in "Die Kameliendame" (weitere Vorstellungen: 11., 12., 17., 20. 5.)

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