Otto Waalkes: "Der Ottifant ist ein missglücktes Selbstporträt"

Der Komiker Otto Waalkes hatte zunächst einen Kulturschock, als er aus der Provinz nach Hamburg kam. Dann stellte er fest, dass auch in der großen Stadt vieles so ist wie zu Hause. Interview:
Aus der Serie: Das war meine Rettung

ZEITmagazin: Herr Waalkes, war Hamburg genau der richtige Ort für den Start Ihrer Karriere?

Otto Waalkes: Ich komme aus Emden, auch eine Hafenstadt, und – das können Sie nachgucken, ich konnte es auch kaum glauben – vor ein paar Jahrhunderten größer, schöner, reicher als Hamburg. Heute ist Hamburg zumindest größer – alles Übrige ist Geschmackssache. Als ich aus Emden kam, war Hamburg für mich das Tor zur Welt, ein richtiger Kulturschock. Hier waren die Beatles aufgetreten – allein der Gedanke machte mich glücklich! Und es gab immer noch Clubs, in denen man als Anfänger eine Chance hatte: Danny’s Pan zum Beispiel, da hat für mich alles angefangen.

ZEITmagazin: Bei Humor denkt man in Deutschland ja eher an Köln.

Otto: So? Denken die Deutschen an Köln, wenn sie das Wort Humor hören? Ich nicht. Ich denke, es gibt lokale Spezialitäten, doch es gibt ebenso wenig eine spezifischen Kölner Komik, wie es einen Hamburger Humor gibt – was es gibt, sind gute Witze und ... andere. Die guten funktionieren überall. Ich kann das nicht beweisen, aber so ist meine Erfahrung.

ZEITmagazin: Was schätzen Sie an Hamburg?

Otto: Hamburg hat alles, was ich mag: Wasser und Wolken, gemütliche Stübchen und weite Horizonte, hier wird Tee getrunken und guter Fisch gegessen – kurz gesagt: Es ist fast wie zu Hause, und so fühl ich mich hier auch.

ZEITmagazin: Wie kommt man in Hamburg auf die Idee, Elefanten zu zeichnen – Ihre berühmten Ottifanten?

Otto: Der Ottifant ist ein missglücktes Selbstporträt, das ich in der Schule gezeichnet habe. So sagt die Legende – und wer bin ich denn, einer Legende zu widersprechen? Ich sehe mich selbst als eine Art Saugetier, das durch seinen Rüssel alles aufsaugt, was so im Raum rumschwirrt oder durch die Medien geistert. Das wird dann gesammelt, getrennt und auf der Bühne wieder rausgeblasen. Der Rest kommt in die Altgagtonne.

ZEITmagazin: Ihr Lieblingsort in Hamburg?

Otto: Ich gehe gern in Blankenese spazieren, meist ist es da so still wie auf dem Dorf. Und vom Süllberg schaue ich gern über die Elbe ins Alte Land, und wenn am Abend die Luft ganz klar ist, kommt’s mir vor, als könnte ich dahinter, weit im Westen, die Türme von Emden erkennen – wie nennt man so was? "Vater Morgana"? Oder pure Einbildung?

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