Die großen Fragen der Liebe Wie kann er es ihr endlich recht machen?

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ZEITmagazin Nr. 20/2018

Die Frage: Sabine hat sich von ihrem ruppigen ersten Freund nach langem Hin und Her getrennt. Jetzt ist sie mit Thomas zusammen. Sabine genießt es sehr, dass Thomas sie wie eine Prinzessin behandelt, immer aufmerksam und hilfsbereit. Inzwischen sind sie zusammengezogen. Thomas ist zuvorkommend und rücksichtsvoll wie immer, aber Sabine lobt ihn nicht mehr, sondern kritisiert jetzt manchmal, dass er so wenig eigene Initiative entfaltet. Er geht am liebsten in das Lokal, das sie aussucht, in den Film, der ihr gefällt. "Du bist wie ein Pudding, du gibst immer nach und bist nicht zu fassen", platzt Sabine heraus. Ihr Ausbruch tut ihr leid, als sie sieht, wie geknickt Thomas ist. "Anscheinend kann man es mir nicht recht machen", sagt sie. "Ich versuche es ja", seufzt Thomas.

Wolfgang Schmidbauer antwortet:  Sabine sollte sich nicht so rasch schuldig fühlen, wenn ihr die Unsicherheit von Thomas auf die Nerven geht. Nicht wenige moderne Männer versuchen, den Klischeebildern vom Softie und vom Macho dadurch zu entkommen, dass sie sich wie gute Schüler einem femininen Lehrplan unterwerfen. Das kann so ausgehen, dass sie hilflos werden, wenn die einer solchen Rolle müde Lehrerin ihre Passivität tadelt. Es fällt ihnen dann am Ende nicht mehr ein, als anzufragen: "Welche Initiative hättest du denn gerne, Schatz?" Ehe ein Übermaß an Mutter- und Sohnespflichten die Liebe erdrückt, sollte sich Sabine darauf besinnen, dass es nicht ihre Pflicht ist, Thomas zu bespaßen. Wenn sie mehr für sich tut und nur das zusammen mit ihm unternimmt, was ihr Freude macht, hat Thomas auf jeden Fall bessere Chancen, Eigeninitiative zu entwickeln.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Zuletzt erschien sein Buch "Die Seele des Psychologen. Ein autobiografisches Fragment" (Orell Füssli)

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