Verona Pooth Über das Lernen von anderen

© Christopher Tamcke/insightmedia/ddp
Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 20/2018

Das Gute an Fehlern ist, dass man sie nicht selbst machen muss, um sie zu vermeiden. Denn dafür gibt es Leute wie Verona Pooth, die, so die Legende, irgendwann mal Verona Feldbusch hieß und meiner Generation selbstlos vorgemacht hat, wie es nicht geht.

Eine Frau, die so ziemlich alles falsch gemacht hat, was man falsch machen kann: schlimmer Mann (Dieter Bohlen), schlimme Karriere (Schönheitskönigin von Hamburg), schlimme Medienfigur. Das kennt man ja heute kaum noch, die Instagram-Stars der zehner Jahre machen alles so dermaßen richtig, dass man sie fast mit Wachsfiguren aus Tussauds Kabinett verwechseln könnte. Selbst die ehemaligen Kinderstars stürzen nicht mehr ab, sie sind wie Ryan Gosling glücklich verheiratet und machen Karriere, als gäbe es sonst nichts, was man mit seiner Freizeit anstellen könnte. Die Zeiten des dreckigen, kaputten Berühmtseins sind vorbei.

Keiner schmeißt mehr Fernseher aus dem Fenster oder geht wie Britney Spears komplett dicht eine 24-Stunden-Ehe ein. Die Leben der aktuellen Stars scheinen genauso sauber zu sein wie ihre Instagram-Posts: Morgens Chia-Smoothie, abends Yoga-Session, dazwischen unendliche Langweile. Keine von diesen Jessicas und Emmas taugt für eine ordentliche Bild - Schlagzeile wie Verona & der Schweinkram. Oder Putzen Kochen oder Liebe, in dem Artikel spricht Verona über ihre "maßlose Enttäuschung" nach dem Ende der Beziehung mit der blonden Hälfte von Modern Talking, einem Typen, an den jede Zeile Text verschwendet ist.

Und natürlich kann man sagen: Alles selbst verschuldet. Man kann Verona Pooth aber auch zärtlicher betrachten, als Ergebnis einer schlechten Addierung vieler falscher Entscheidungen in einer unbarmherzigen Medienlandschaft. Sie ist eine Frau, vor der man eigentlich Hochachtung haben müsste, so oft hat sie "die Krone gerichtet und weitergemacht". Das ist ein Spruch, der heute ständig von sterbenslangweiligen Influencerinnen wiederholt wird, denen das Leben bisher keine Hürde hingehalten hat und die man nicht mal mit dem richtigen Filter als Strandbild inszenieren könnte.

Verena Pooth hingegen ist das echte Leben: falsche Entscheidungen, aufflammender Ehrgeiz, tiefer Fall, weitermachen. Verena Pooth wurde von niemandem gut behandelt. Ihr Leben ist ein großes Trotzdem, das demnächst zu Recht verfilmt werden soll. Es ist Warnung und Motivation. Alles Gute nachträglich zum 50. von einer, der du eine Lehre warst.

Kommentare

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Vielleicht auch deshalb:
"Doch Verona Pooth, die im knappen beigen Kleid erschien, fand den Schwenk überhaupt nicht schlimm. Nun - ich habe mir es eben noch einmal angeschaut. Wegen dem „sexistischen“ Kamera- Schwenk..... also mal ganz ehrlich. Ich finde das gerade DAS nicht sexistisch ist.", kommentiert sie ein Bild aus der Sendung.
Den Schwenk über ihre Beine findet das Model überhaupt nicht schlimm.
Den Schwenk über ihre Beine findet das Model überhaupt nicht schlimm.

Sie fände beschämend, dass "eine Lappalie wie die Kameraführung jetzt genutzt wird, der ernstzunehmen Diskussion zum Sexismus den Nährboden zu nehmen", formuliert sie weiter."

Sie läßt sich halt nicht von anderen zum Opfer erklären.