Spielkarten: Für gute Karten

Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 21/2018

Nachdem das Kartenspiel erfunden worden war, war man schnell der Meinung, es sei abgrundtief schlecht. Kaum dass die Karten im Europa des 14. Jahrhunderts auftauchten (vermutlich hatten Reisende aus Nordafrika sie mitgebracht), nannte man sie "Gebetbuch des Teufels". Die Leute spielten um Geld und wurden mitunter arm dabei. Die ersten urkundlichen Erwähnungen von Kartenspielen waren entsprechend auch Verbotserlasse: 1376 wurden sie in Florenz geächtet. Das konnte die rapide Ausbreitung der Spielkarten allerdings nicht verhindern. Auch nicht die Tatsache, dass insbesondere die Kirche Spielkarten hasste. Der Mönch Girolamo Savonarola (1452–1498) etwa ließ sie zusammen mit anderem verwerflichen Tand auf Scheiterhaufen verbrennen. Geholfen hat es nichts.

Spielkarten sind bis heute nicht auszurotten. Sie sind sogar das einzige Gesellschaftsspiel, das es problemlos in die digitale Welt geschafft hat. Niemand spielt digitales Mensch ärgere Dich nicht. Poker-Plattformen hingegen boomen. Längst sind die Köpfe auf den Karten zu globalen ästhetischen Codes geworden – etwa in der Figur des bösen Jokers als Batmans Gegenspieler. Und immer wieder tauchen sie auch als Symbole in der Mode auf. So hat Loewe in der aktuellen Sommerkollektion eine Tasche mit aufgestickten Spielkarten, beispielsweise einem Pik-König, auf den Markt gebracht. Bei Dolce & Gabbana finden sich Kleider und Sonnenbrillen mit Herz-Dame-Prints.

Wer aber sind die Gesichter auf den Karten? Vermutlich haben französische Kartenmaler des 16. Jahrhunderts sie populären Vorbildern nachempfunden. Der Kreuz-König soll von Alexander dem Großen inspiriert, der Pik-König das Ebenbild von König David sein. Der Herz-König hat angeblich Ähnlichkeit mit Karl dem Großen, und der Karo-König soll eine Art Julius Cäsar mit Bart darstellen. Als Herz-Dame kommt die biblische Witwe Judith daher, die Karo-Dame ist Rachel aus dem Alten Testament. Hinter der Kreuz-Dame steht Juno Regina, die Schutzherrin der Ehe. Die Pik-Dame hingegen geht auf Zeus’ Tochter Pallas Athene zurück. Selbst die Buben haben Vorbilder: Lancelot, der Ritter aus der Artussage, soll Vorbild für den Kreuz-Buben und Hogier, ein Cousin Karls des Großen, für den Pik-Buben gewesen sein. Der Herz-Bube stellt La Hire dar, einen Soldaten an der Seite von Jeanne d’Arc, und hinter dem Karo-Buben steht Roland, ein Paladin von Karl dem Großen.

Hätte Savonarola vorausgesehen, dass das Kartenspiel einmal dazu führen würde, dass 520 Jahre nach seinem Tod Großdrucke von Bibelfiguren auf Laufstegen erscheinen, er wäre milder gestimmt gewesen.

Foto: Peter Langer / Bringt hoffentlich Glück im Spiel: Tasche von Loewe

Kommentare

3 Kommentare Kommentieren
Insel der Esel
#1  —  23. Mai 2018, 5:25 Uhr

LEELA Das Leben als Spiel. Die indische Mystik hat das Glücksspiel verehrt. In ganz Asien ist das Zocken eine Leidenschaft. Sklaverei gehörte dazu, denn wenn kein Geld mehr da war, hat man sich selbst als Einsatz benutzt. Eine Herausforderung ans Schicksal. Genugtuung aus dem Gewinn. Wo wollen mich die Götter sehen, bei den Gewinnern oder bei den Verlierern. Finde ich den Moment, wo mein Glück strahlt? Eine Ursehnsucht des Menschen.
Karten sind sooo nicht digital. Als Mode nur Relikt? Oder versteckte Sehnsucht, nach Unberechenbarkeit des Schicksals??

Ich glaube auch, dass das Verwerfliche der Karten darin lag und noch immer liegt, den Leuten die Zukunft vorauszusagen. Das war der Begriff, dass Karten Teufelswerk sind, denn die Zukunft liegt bei Gott und wird von ihm gestaltet.
Ich habe das ein paar Jahre gemacht. Es verschreckt die Ratsuchenden und schafft sich selbst erfüllende Prophezeiungen. Die Art mit den Karten zu spielen ist tatsächlich Teufelswerk.