Friedrich von Metzler "Auch wenn ich selbst einen realen Albtraum erlebt habe, glaube ich an das Gute im Menschen"

© Ramon Haindl
Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 23/2018

Mir war schon sehr früh klar, dass meine Zukunft im Bankhaus meiner Familie liegen würde. Ob es an der Prägung durch mein Elternhaus lag oder einfach meine Berufung ist, weiß ich nicht zu sagen. In diese Richtung gedrängt haben mich meine Eltern jedenfalls nicht. Doch schon als Schüler habe ich den Wirtschaftsteil der Zeitung mit großem Interesse gelesen und mich darauf gefreut, irgendwann eine Aufgabe im Bankhaus übernehmen zu können.

Bis heute steht die Bank im Mittelpunkt meines Lebens und Denkens, auch wenn ich das operative Geschäft in den letzten Jahren sukzessive abgegeben habe und mich auf die Betreuung von Kunden konzentriere. Es begeistert mich, mit Unternehmern über deren Strategien und Ziele zu reden. Das hat natürlich dazu geführt, dass ich etwas eindimensional geworden bin: Die Beschäftigung mit unseren Kunden, mit den geschäftlichen Strukturen, aber auch den dahinterstehenden Menschen füllt in der Tat den größten Teil meines Kalenders aus.

Die Arbeit für die Bank und auch meine Ehrenämter werden Teil meines Lebens bleiben, einen arbeitsfreien Tag wird es also auch in Zukunft nicht geben – aber ich freue mich darauf, demnächst mehr Zeit für meinen schönen Garten zu haben und mich in Bücher zu vertiefen.

Ich beschäftige mich mit der realen Welt, nicht so sehr mit Träumen. Allerdings bin ich auch ein absoluter Optimist. Auch wenn ich selbst einen realen Albtraum erlebt habe, glaube ich an das Gute im Menschen. Ich glaube, dass die Welt stetig besser werden wird und dass ich daran mitarbeiten kann oder sogar muss. In Krisenzeiten ist es wichtig, Haltung zu bewahren, das Positive nicht aus den Augen zu verlieren und trotz allem dankbar zu sein. Diese Grundeinstellung hat sich auch in den schlimmsten Tagen der Finanzkrise vor zehn Jahren bewährt.

Dass ich erleben durfte, wie Europa in den vergangenen Jahrzehnten zusammengewachsen ist, finde ich großartig. Ich wünsche mir, dass Europa auf diesem Weg weitergeht und sich nicht von Populisten auseinandertreiben lässt. Und dass die Bürokratisierung, die in Europa manchmal überhandnimmt, etwas abgebaut wird.

Ich bin mit der Überzeugung aufgewachsen, dass es wichtig ist, sich um gesellschaftliche Fragen zu kümmern und mittels Aufklärung oder finanzieller Zuwendung einen Beitrag zu leisten. Die Idee, dass meine Arbeit in der Bank mir einen größeren Gestaltungsspielraum auch in gesellschaftlichen Belangen verschafft, gehörte für mich wie für meine Eltern und Großeltern immer dazu. Vielleicht kann man das als Traum bezeichnen.

Als Bankier ist meine Zukunftsvision, dass wir in Deutschland eine vernünftige Aktienkultur entwickeln. Aktien haben hierzulande ein Imageproblem, sie gelten als riskant, aber in Wahrheit überlebt die Aktie Krisen besser als andere Anlage- oder Sparformen. Es ist mein Anliegen, Kunden klarzumachen, dass Aktienkauf langfristig die beste Sparform ist. Das gilt vor allem im Hinblick auf die Alterssicherung. Nicht richtig aufgeklärte Sparer sparen falsch, auch das ist ein Grund für finanzielle Probleme im Alter. Ein Großteil der Bevölkerung ist nicht an Produktivkapital beteiligt. Ich wünsche mir, dass sie vom Sparer zum Anleger werden. Das wäre auch ein Schritt in Richtung mehr soziale Gerechtigkeit.

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