Schiedsrichter-Uhren Schiri, wie spät ist es?

Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 24/2018

Wenn in der übernächsten Woche die Fußball-WM angepfiffen wird, wird man wieder auf Minuten und Sekunden starren: die letzten Minuten, bevor die Spielzeit abgelaufen ist – und die quälenden Sekunden der Nachspielzeit. Bei derlei sportlichen Wettkämpfen wird sichtbar, was Einstein mit der Relativitätstheorie und der Dehnbarkeit der Zeit gemeint hat. Und weil Zeit eine so wichtige Rolle spielt, ist es bei sportlichen Großereignissen stets eine Prestigefrage, wer der offizielle Zeitnehmer ist. Bei dieser WM wird es die Schweizer Uhrenmarke Hublot sein – wie schon bei der vergangenen WM auch. In der Fußball-Bundesliga ist es Omega, in der Formel Eins macht Rolex den Job.

Dabei findet beim Fußball eine arg verfeinerte Zeitmessung eigentlich gar nicht statt. Schließlich wird weder die Sprintgeschwindigkeit bis zum Strafraum noch die Geschwindigkeit des Torwart-Abstoßes ermittelt. Es läuft einfach die Zeit. Und Schluss ist, wenn abgepfiffen wird. Bei der WM ist die Frage nach dem offiziellen Zeitnehmer daher vor allem die Frage, welche Uhrenmarke ihr Logo auf der Tafel prangen lässt, mit der die Nachspielzeit angezeigt wird.

Viel elementarer ist die Zeitmessung etwa im Formel-Eins-Rennsport, wo es um Tausendstelsekunden geht. Hier wird mit Fotozellen, Radarsendern und Hochgeschwindigkeitskameras gearbeitet. Das ist auch nötig. Denn beim Rennsport muss mit Rundenzeiten, Zeitabständen und Boxenstoppzeiten Dramatik in das sonst eher beschauliche Rundendrehen gebracht werden. Beim Fußball ist im besten Fall das Drama schon auf dem Platz – während stoisch und unerbittlich die Uhr läuft.

Der wichtigste Zeitnehmer beim Fußball ist der Schiedsrichter selbst. Hierzu hatte er oft zwei Uhren am Arm: eine, auf der die offizielle Spielzeit läuft, und eine andere, mit der die durch Spielunterbrechungen bedingte Nettospielzeit festgehalten wird, aus der sich die Nachspielzeit ergibt.

Mittlerweile sind spezielle Schiedsrichter-Uhren mit mehreren parallelen Zeitanzeigen auf dem Markt. Eigens für die Fußball-WM hat Hublot nun eine neue Referee-Watch entwickelt, die alle Schiedsrichter in Russland tragen sollen. Sie ist eine Smartwatch mit Zusatzfunktionen – wie etwa der Vernetzung mit der Goal Line Technology, einem elektronischen System zur Videoassistenz beim Schiedsrichten. Die Uhr ist auch im Handel erhältlich – mit den üblichen Smartwatch-Funktionen wie etwa E-Mail-Empfang. Das wäre ja vielleicht auch etwas für den Schiedsrichter auf dem Feld. Falls es dort wegen all der technischen Unterstützung mal zu langweilig wird.

Kommentare

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Die Uhr ist bestimmt sehr toll. Ich frage mich aber, warum ein Privatmann von einer Schiedsrichter-Uhr träumen sollte? Dann doch lieber Taucher, Pilot, Rennfahrer.

Ob es kleine Jungs und Mädchen gibt, die davon träumen, eines Tages Stars auf dem Feld hinterherzuhecheln und zu pfeifen? Ich hätte gedacht, dass das ein Job ist in den man so reinrutscht.