Fußball-Design Der Ball ist bunt

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 25/2018

Ach, Fußball – angeblich war das ja mal der Sport der Arbeiterklasse, und die Stadien, eigentlich ja nur ein paar Bretter und eine Wurstbude, waren voller Menschen, denen das Leben sonst nichts zu bieten hatte. Und sie schauten Männern zu, die einfache Leute waren – so wie sie, mit ein bisschen mehr Talent vielleicht. Fußballer waren Helden, die nicht viel mehr brauchten als einen Ball – und Fußball war ein einfaches Spiel mit einfachen Regel für einfache Leute, die gerne Bier tranken, eine Wurst aßen und den Gegner mit Spottliedern verhöhnten. So jedenfalls wollen es die Fußball-Nostalgiker, und vielleicht stimmt das ja, vielleicht auch nicht. Sicher ist nur, dass Mode und Fußball vor ein paar Jahrzehnten nicht viel miteinander zu tun hatten.

Heute ist das anders. Mit dem Fußball werben längst Modemarken, die Kollektionen im Programm haben, bei denen ein Teil so viel kosten kann, dass es das Monatsgehalt manch eines Fans übersteigen würde. Hugo Boss ist dabei als offizieller Partner des DFB noch unter den moderaten Anbietern. Die Marke steckt die Fußballer der Nationalmannschaft bei Terminen in Anzüge und in Strickpullover mit einem Ton-in-Ton-Print des DFB-Logos. Der Designer Gosha Rubchinskiy hat für adidas Trikots entworfen, bei Versace gibt es Schals, die an Fanschals erinnern. Und Louis Vuitton hat pünktlich zum Start der Weltmeisterschaft eine Tasche auf den Markt gebracht, die das Design des legendären Telstar-Balls aufgegriffen hat. Die Marke ist schon länger dem Fußball verbunden: Seit 2010 reist der Fifa-Pokal in einem Louis-Vuitton-Spezialkoffer zum Finale.

Der Fußball interessiert längst alle Schichten der Gesellschaft. Und Fußballer möchten heute nicht mehr als emporgekommene Arbeiterkinder angesehen werden, sondern betonen selbst bei jeder Gelegenheit, wie modebewusst sie sind. Und so kommen Welten zusammen, die eigentlich verschiedener nicht sein können.

Besonders bemerkenswert ist, dass sich Designer gerne von der "Fankultur" inspirieren lassen, dem Look der Stadiongänger: Parkas und leichte Regenjacken, Trainingsanzüge, Kapuzenpullover, Poloshirts und natürlich Sneaker. Dabei wollten Fans nie ein modisches Statement setzen. Der Look hatte praktische Gründe. Eine Entstehungstheorie besagt, dass sich dieser Fan-Look entwickelte, weil gewaltbereite Hooligans nicht als gewaltbereite Hooligans erkennbar sein wollten – sie hatten in Poloshirts bessere Chancen, an den Ordnern vorbeizukommen. Heute gelingt das fast noch besser, denn es ist unmöglich zu unterscheiden, ob jemand als Hooligan oder Träger einer Capsule-Collection ins Stadion geht.

Peter Langer / Nicht dagegentreten! Tasche im Fußball-Design von Louis Vuitton

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