Die großen Fragen der Liebe Muss sie ihm den Schussel austreiben?

Eine Kolumne von
Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 25/2018

Die Frage: Für Eva bleibt es ein Rätsel: Ihr Partner Max ist beruflich ebenso erfolgreich wie sie. Aber seitdem sie zusammengezogen sind, weil Eva zur großen Freude beider schwanger ist, stört sie sein Ungeschick. Ständig findet er den Autoschlüssel nicht, hat sein Handy verlegt. Wenn er den Tisch deckt, fehlt immer irgendetwas; wenn er sie beim Kochen unterstützen will, schnippelt er an einer Karotte länger als sie an fünf. Wie sollen sie sich die Hausarbeit teilen, wenn das Kind geboren ist? Max ist guten Mutes. Eva sieht das schwarz und schwärzer. Als er beim Wäschewaschen ihren Angorapullover auf Puppengröße schrumpft, bricht sie in Tränen aus. Sie schluchzt: "Was bin ich nur für eine Idiotin, dass ich mit dir eine Familie gründen will!"

Wolfgang Schmidbauer antwortet:

Evas Staunen, dass ihr Schussel beruflich so erfolgreich ist, verrät die Perfektionistin. Sie kann keine Leistungsschwäche dulden und schneidet auch die Karotten zum Abendessen, als sei sie auf Rekordjagd. Vermutlich hat die ausgeprägte Fähigkeit von Max, sich und seine Siebensachen nach Feierabend fallen zu lassen, Eva sogar angezogen, solange sie sich nicht für das Unternehmen Familie verantwortlich fühlte. Jetzt ist die Lage hoffnungslos, aber nicht ernst. Eva wird Max nie zu ihren Höhen des Funktionierens führen können, aber er muss ihr einen neuen Pullover kaufen. Männer und Frauen können in der Berufswelt, von Versachlichungen umgeben, häufig besser zusammenarbeiten als im Haushalt – als versöhnende Instanz bleibt nur der Humor. Auf keinen Fall sollte Eva Max Arbeit abnehmen, nach dem Motto: Bei mir geht es schneller!

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Zuletzt erschien sein Buch "Raubbau an der Seele. Psychogramm einer überforderten Gesellschaft" (oekom verlag)

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