Comic: Zack! Boing! Mode!

Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 26/2018

Miuccia Prada hat den Comic für sich entdeckt: In der aktuellen Sommerkollektion prangen Drucke von weiblichen Zeichentrick- und Mangakünstlerinnen auf vielen Kleidungsstücken. Aber auch andere Designer setzten auf Bilder, Sprechblasen und Figuren. Für Moschino kreierte Jeremy Scott Tops mit "My Little Pony"-Aufdruck. Bei Akris gibt es Tops und Kleider, auf denen die geometrischen Figuren von Alexander Girard gedruckt sind.

Comics tauchen in der Mode nicht mehr als Symbol für besonders jugendlichen Stil auf. Sie sind längst ein Nostalgie-Thema. Die Smartphone-Generation ist über das Blättern von gedruckten Heften hinweggekommen, was man auch daran sehen kann, dass in den vergangenen Jahren kein neuer internationaler Comic-Charakter mehr erfolgreich wurde. Comics sind heute ein Medium der Älteren. Und Miuccia Prada dürfte auch genau diese Kundschaft im Sinn gehabt haben.

Eigentlich schade, dass der Comic schon wieder Geschichte wird, bevor er von der breiten Gesellschaft ernst genommen wurde. Und es ist bezeichnend, dass Comics lange als unernste Lektüre für Kinder angesehen wurden. Dabei brachten Comics einst erst die Farbe in die gedruckte Welt. Ende des 19. Jahrhunderts tauchten die ersten Comicgeschichten in den New Yorker Tageszeitungen auf. Es waren bunte Seiten, die sich vom eng bedruckten Schwarz-Weiß der übrigen Zeitung abhoben. Die seitenfüllenden fantastischen Geschichten brachten Farbe in das Leben der Zeitungsleser. Comics waren zunächst keine Karikaturen, sondern aufwendig gezeichnete kleine Werke in Massenproduktion. Es waren die ersten Bilder, die nicht mehr in den Häusern der Reichen hingen – diese Bilder waren für alle da. Sie waren der Kunstgenuss des kleinen Mannes.

Und frühe Comiczeichner wie Winsor McCay, Lyonel Feininger oder Charles Forbell waren umworbene Auflagenbringer. Später entstanden die ersten Comic-Helden wie Krazy Kat. In den zwanziger Jahren machte Walt Disney den Comic im Film populär.

Die Vorbehalte und Vorurteile gegenüber dem Comic sind bis heute spürbar. Comics, so denken Kultursnobs, sind und waren das Medium der kleinen Leute. Und Comics stellten infrage, dass Ästhetik nur ein Thema der gehobenen Schichten ist. Comics stellten die Grundordnung der Kultur infrage. Comics zeigten, dass auch kleine Leute träumen dürfen. Und wenn wir Comics heute an Kleidern von Prada, aber nicht mehr im Kiosk finden, bedeutet es vielleicht, dass auch diese Zeit vorbei ist. Comics sind jetzt etwas zum Anziehen für reiche Leute.

Peter Langer / Unterwegs was zum Lesen: Mantel mit Comic-Aufdruck von Prada

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