Ndaba Mandela "Mein Großvater sagte: Du bist ein Mandela, die Leute erwarten etwas von dir"

© Jodi Bieber
Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 27/2018

In meiner Kindheit habe ich gesehen, wie weiße Polizisten auf Schwarze schossen und sie zusammenschlugen. Damals war ich ein begeisterter Comic-Leser und Batman-Fan. So etwas wie die afroamerikanischen Superhelden Luke Cage oder Black Panther bekam man in Südafrika nicht zu sehen – das Regime wollte nicht, dass wir Helden haben, mit denen wir uns identifizieren könnten. Aber in meinen Tagträumen war ich so ein Held: stark genug, um zurückzuschlagen und meine Feinde zu besiegen.

Als Teenager wollte ich vor allem cool sein, Spaß haben, Partys feiern, Gras rauchen, mich irgendwie durchmogeln. Viel weiter gingen meine Träume nicht. Was andere von mir dachten oder erwarteten, war mir ziemlich egal. Aber seit ich mit elf in das Haus meines Großvaters Nelson gezogen war, lastete ein ziemlicher Druck auf mir. Mein Großvater hielt mich ständig an, das Beste aus mir zu machen. Er sagte: Du bist ein Mandela, die Leute erwarten etwas von dir.

Davon wollte ich damals nichts hören. Mittlerweile begreife ich, was er mich gelehrt hat. Nelson Mandela war für mich mehr als ein Großvater, er war mein Mentor. Seine Ideale und Überzeugungen haben mich tief geprägt. Seine Träume sind meine geworden. Und so träume ich heute davon, dass Kinder in Afrika eine realistische Chance haben, Ärzte, Polizisten oder Astronauten zu werden. In meinem Traum haben junge Menschen in Afrika die Möglichkeiten und das Selbstvertrauen, ihr Schicksal und das des Kontinents in die eigenen Hände zu nehmen.

Deshalb will ich daran mitarbeiten, das Bild von Afrika zu verändern. Sodass Menschen auf der ganzen Welt, aber eben auch in Afrika, nicht nur an Armut, Krieg, Krankheiten und Diktaturen denken, wenn von Afrika die Rede ist – sondern an Musik, Kunst, demokratische Strukturen, Gesellschaften im Aufbruch. An Menschen, die alles für ihre Familie tun und die auch unter widrigen Umständen das wenige teilen, was sie besitzen. Ich will helfen, das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl junger Afrikaner zu stärken, damit sie sich selbst als zukünftige Führer begreifen können, die die Veränderungen anstoßen, die die Welt und der Kontinent dringend brauchen.

Ich träume davon, dass meine Kinder stolze Afrikaner werden, dass sie andere mit Respekt behandeln und dass auch sie die Prinzipien meines Großvaters begreifen und leben. Ich wünsche mir, dass sie den gesamten Kontinent bereisen können, ohne ein Visum zu benötigen. Und dass es in Afrika in zehn Jahren keine korrupten Herrscher mehr gibt.

Das sind große Träume. Aber unsere Träume können gar nicht verwegen genug sein – wenn sie uns keine Angst machen, träumen wir noch zu zaghaft. Ich träume von einem vereinten Afrika. Dieser Kontinent ist ein schlafender Gigant, der jetzt gerade dabei ist aufzuwachen. Es wird sich zeigen, ob wir tatsächlich Führer haben, die mit dieser Macht und Verantwortung umgehen können.

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