Deutschland Poledance

Aus der Serie: Deutschlandkarte ZEITmagazin Nr. 27/2018

Von der Stange

Von der Stange

© Laura Edelbacher

Wer um horizontale Stangen turnt, ist gesellschaftlich akzeptiert, er kann am Barren zum Helden werden, wenn er olympisches Gold gewinnt. Wenn die Stange stattdessen vertikal angebracht ist, denken alle an Striptease und Verruchtheit. Stimmt ja: Der Tanz war bis vor ein paar Jahren fast nur in Sexclubs bekannt. Das Rotlichtmilieu hatte die jahrhundertealte Idee geklaut und vermarktet. Darum gab es auch Proteste von Feministinnen, als der Sport vor rund zehn Jahren vom Rotlicht in die Fitnessszene vordrang. Heute ist der enterotisierte Poledance (Männer dürfen übrigens auch so tanzen) nicht nur weit verbreitet, sondern steht auf einer Stufe mit dem Horizontalstangensport Tischfußball: offiziell anerkannt, aber noch nicht olympisch. Es fällt auf, dass der Sport keinesfalls vor allem in den einkommensschwachen Gegenden zu Hause ist, etwa im Osten. Den Ärmeren unterstellt man ja oft einen Hang zur Körperschau. Vielmehr ist der Tanz im Süden besonders stark vertreten. Wo die Leute Geld haben, machen sie mehr Sport. Oder melden sich zumindest an zum Kurs.

Recherche: Anton Dorow

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