Die großen Fragen der Liebe: Muss sie den Hund in der Familie akzeptieren?

Jede Woche beantwortet unser Paartherapeut eine große Frage der Liebe. Diesmal: Praktiziert er die Diktatur der Mehrheit? Eine Kolumne von
Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 31/2018

Die Frage: Elke und Sascha sind beide Lehrer an einer Realschule – Elke unterrichtet Biologie und Chemie, Sascha Sozialkunde und Deutsch. Sie haben zwei Töchter im Schulalter und teilen sich Beruf und Familienarbeit. Vor einem Jahr sind sie umgezogen, in ein Haus mit Garten, den Elke sogleich in Besitz nimmt, schließlich versteht sie mehr als die anderen von Pflanzen. Die Kinder wünschen sich einen Hund. Elke fürchtet um ihre Beete und ist strikt dagegen; Sascha will es sich überlegen. Als Elke an einem Nachmittag nach Hause kommt, findet sie den Rest der Familie um einen jungen Labrador gruppiert. "Wir haben dich überstimmt", erklärt Sascha, "schließlich leben wir in einer Demokratie!" Elke verschlägt es die Sprache. So niedlich das Hündchen ist, sie will es hassen.

Wolfgang Schmidbauer antwortet:  Sascha macht es sich mit seiner "Demokratie" zu bequem. Was er mit den Kindern zu praktizieren sucht, ist die Diktatur der Mehrheit. Abgesehen davon, dass Elke nicht über die Wahl informiert wurde und auch nicht mit abstimmen durfte, haben die Mitglieder der Hundeverschwörung den Kern der demokratischen Haltung vergessen: Nicht das Votum der Mehrheit, sondern der Schutz der Opposition und der respektvolle Umgang mit ihr machen die Demokratie aus. Aber nachdem sich die Kinder und Sascha über den auf so krummen Wegen ins Haus gekommenen Hund freuen und ihn nicht mehr hergeben wollen, sollte Elke lieber nachverhandeln als das unschuldige Tier hassen. Mit gutem Willen und einem Zaun können Hund und Pflanzenwelt vielleicht harmonischer zusammenwachsen als Mehrheit und Opposition im Haus.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Zuletzt erschien sein Buch "Raubbau an der Seele. Psychogramm einer überforderten Gesellschaft" (oekom verlag)

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