Grimes und Elon Musk Über Beziehungen in Zeiten von Trump

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Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 34/2018

Okay, ein UN-Botschafter des Friedens, der sich für die Menschenrechte im afrikanischen Darfur einsetzt und ein Freund von Barack Obama ist, hätte besser zu Grimes gepasst. Einer, der politische Filme dreht, in denen Demokraten die Guten und Republikaner die Bösen sind, und der Klimawandel-Leugner öffentlich attackiert. Die Experimentalpop-Sängerin grüßt immerhin mit Karl Marx als Profilfoto, bezeichnet sich als "antiimperialistisch" und gilt als Ikone der Frauenbewegung. Aber George Clooney ist ja bereits vergeben. Und so ist die 30-jährige Grimes, die Männer mit grauen Schläfen ihren Altersgenossen als Partner vorzieht, nun mit dem 17 Jahre älteren Elon Musk zusammen. Ja, genau, dem Silicon-Valley-Milliardär, der in Autos, Raumfahrt und Online-Bezahlsystemen macht, Donald Trump berät und den Republikanern unlängst 90.000 Dollar gespendet hat. Jüngst sorgte der Unternehmer mit der Ankündigung für Schlagzeilen, er überlege, seine Firma Tesla von der Börse zu nehmen. Der Aktienkurs von Tesla legte daraufhin um zwölf Prozent zu – und der superreiche Gewerkschaftshasser Musk war noch ein bisschen superreicher.

Die Frau, die Linke lieben müssen, und der Mann, den sie so unbeschwert hassen dürfen, sind nun also ein Paar. Sobald die Verbindung von linker Kunst und reinem Kapitalismus publik wurde, passierte, was passieren musste: Ein Shitstorm brach über das Paar herein, entfacht von empörten Grimes-Fans. Was sie an diesem "deadass" finde, sie solle ihn sofort verlassen oder, noch besser, vergiften, Fotos von Grimes-CDs in der Mülltonne fluteten das Netz.

In der Trump-Ära, das belegen diese Reaktionen, treten sich die politischen und gesellschaftlichen Lager immer unversöhnlicher gegenüber. Die Spaltung ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass kaum jemand die Liebesgeschichte Grimes/Musk als eine Restchance auf gesellschaftliche Versöhnung verstehen will. Alle sehen nur den Verrat. Die überparteiliche Romanze ist also die Nächste auf der Liste der Trump-Opfer.

Schade drum. Denn was stellt man sich spannender vor: wenn George Clooney und seine Frau Amal morgens beim Fitness-Frühstück feststellen, dass sie in allen relevanten Fragen weiterhin einer Meinung sind? Oder wenn Grimes Musk fragt, ob er vielleicht deshalb Leben auf einen fernen Planeten exportieren will, weil er auf diesem hier bereits fünf Kinder gezeugt hat? Wir können jedenfalls bestens verstehen, warum die Sängerin sich für Musk entschieden hat: In dieser Beziehung ist Musik drin.

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