Die großen Fragen der Liebe: Warum kann sie sich nicht entscheiden?

Ist die eine die Richtige, die Verlässliche? Oder die andere, die Wilde? Was unser Paartherapeut der Frau rät, die zwischen zwei Frauen steht und keine verlieren will. Eine Kolumne von
Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 34/2018

Die Frage: Aylin ist knapp 30 und hat einen guten Job in einer Werbeagentur. Nur mit Beziehungen hat es bisher nicht gut geklappt. Aylin ist lesbisch. Meike, ihre letzte Freundin, ging ständig fremd, bis Aylin es nicht mehr ertrug. Ihre gegenwärtige Freundin Julia ist zwar zuverlässig, hat aber keine Lust auf Sex. Die zwei leben nebeneinanderher und treffen sich immer seltener, als sich überraschend Meike meldet. Sie sagt, sie habe Aylin nie vergessen können und bereue, was sie ihr angetan habe. Sie fahren zusammen in Urlaub, alles ist sehr schön. Zurück im Alltag fangen die Probleme an: Aylin zerbricht sich den Kopf, ob Meike die Richtige ist – oder doch Julia. Sie schläft schlecht und mag weder Meike noch Julia treffen, sie will nur ihre Ruhe haben und herausfinden, was sie will.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Aylin versucht, mithilfe von Logik und einsamem Nachdenken ein Liebesproblem zu lösen. Das ist ungefähr so aussichtsreich, wie Wasser in einem Sieb zu transportieren, und zeigt, wie schwer sich Aylin tut, ihre Schwächen anderen zu zeigen. Die Frage, ob sie sich in Zukunft wirklich auf Meike verlassen kann, lässt sich nur zusammen mit Meike klären. Diese wird Aylin nicht weiterhelfen können, solange diese nicht bereit ist, über ihre Sorgen zu sprechen. Anscheinend fürchtet Aylin, nicht liebenswert zu sein, wenn sie nicht souverän mit ihren Ängsten umgeht und ebenso wie Meike ganz schnell vergessen kann, warum damals die Beziehung scheiterte. Dieser Gefahr muss sich Aylin stellen, denn letzten Endes kann sie Meike doch keine andere Frau anbieten als die, die sie ist.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Zuletzt erschien sein Buch "Raubbau an der Seele. Psychogramm einer überforderten Gesellschaft" (oekom verlag).

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