Kinofilme: "Papa, du kannst jetzt wieder gucken"

© Aline Zalko
Wenn der Vater mit seiner Tochter ins Kino geht, leidet er mehr als das Kind. Nicht wegen der fehlenden Actionszenen. Sondern weil er sich selbst wie ein Teenager fühlt. Von
Aus der Serie: Prüfers Töchter ZEITmagazin Nr. 35/2018

Ich gehe gerne mit den Kindern ins Kino, aber meist klappt das nicht. Es ist nicht einfach, einen Film zu finden, der für alle passt. Das liegt daran, dass es nur wenige Filme mit "FSK 0" gibt, die auch noch für 18-Jährige interessant sind. "FSK 0", das ist Liliane Susewind oder Die kleine Hexe. Der letzte Film, den ich mit allen Kindern gemeinsam geguckt habe, war eine Disney-Dokumentation über Delfine. Da hatte zwar Juli zwischenzeitlich geweint, als der kleine Delfin Blue sich verschwommen hatte, aber irgendwie ging das schon okay. Ansonsten gehe ich mit den Töchtern getrennt ins Kino. Mit Luna kann man sich wunderbar Deadpool angucken. Mit Greta war ich neulich in Meine teuflisch gute Freundin. Es gibt offenbar Filme, die man als angehende Jugendliche gesehen haben muss, sonst bekommt man das Gefühl, einen Meilenstein der Kulturgeschichte verpasst zu haben.

So kam es also, dass Greta mich bat, mit ihr diesen Film zu gucken, bevor er im Kino nicht mehr zu sehen sein würde. Wenn man mit recht vielen Frauen und Mädchen zusammenlebt, wie ich, hat man tendenziell eine Überversorgung mit Liebes- und Dramafilmen aller Art. Ich würde es weit von mir weisen, ein Anhänger von brutalen Actionfilmen zu sein, aber ich finde es schon ganz okay, wenn irgendwo etwas ein ganz kleines bisschen explodiert oder jemand an etwas anderem stirbt als frisch verliebt an einer schweren, schweren Krankheit, die schon ab der ersten Filmminute bekannt ist.

Von daher war Meine teuflisch gute Freundin gar nicht so schlecht. Es geht um die Tochter des Leibhaftigen, gespielt von Emma Bading, die eine Art Bosheitspraktikum bei einer Gutmenschenfamilie in Ostfriesland machen muss. Das geht natürlich ziemlich schief, alle sind viel zu nett, sie schafft es nicht, so fies und gemein und manipulativ zu sein, wie sie es sich vorgenommen hatte, und dann verliebt sie sich auch noch Hals über Kopf in den coolsten Jungen der Schule. Greta fieberte natürlich auf die Romanzen-Szenen hin, wenn Greta Romantik sieht, gefällt ihr das sehr, sehr gut. Ich hingegen kann Romantik-Szenen überhaupt nicht ertragen. Ich weiß nicht, warum das so ist. Aber sobald ich in einem Teenie-Film bin, fange ich an, wie ein Teenager zu fühlen. Und zwar wie einer, der noch nie geknutscht hat.

Ich bin deswegen eine Belastung für meine Töchter, die mit mir Filme angucken. In einer Szene standen die mauerblümchenmäßige Freundin der teuflischen Heldin und ihr Schwarm an einer Straßenecke ganz dicht beisammen, und ihre Gesichter näherten sich langsam an. "Ogottogott, die küssen sich gleich!", rief ich aus und schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen. "Papa, du kannst jetzt wieder gucken", sagte Greta, als es vorbei war. Es klang fast fürsorglich. Sie scheint daran gewöhnt zu sein. Manchmal denke ich, dass ich solche Szenen so schwer ertragen kann, weil ich mir dabei vorstelle, dass sich alle meine Kinder mal mit jemandem küssen werden. Mit jemandem, mit dem sie dann statt meiner ins Kino gehen.

Schließlich hatte sich im Film jeder einmal in jeden verliebt, es wurde die Liebe und die Freundschaft gefeiert und Ostfriesland. Greta hatte das alles gut verarbeitet, ich war völlig fertig. Ich jedenfalls bin dafür, das nächste Mal wieder Delfine anzugucken.

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