Radsportbrillen: Die Brille für Fahrradfahrer

Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 35/2018

Das Fahrrad hat das Auto als Statusobjekt abgelöst. Menschen definieren sich immer weniger über das Auto, das sie fahren, und immer öfter darüber, welches Fahrrad sie haben. Eltern bringen voller Stolz ihre Kinder in Christiania-Transporträdern zur Kita. Rennradfahrer schaffen es spielend, im Straßenverkehr dieselbe Rücksichtslosigkeit an den Tag zu legen, wie man sie von motorisierten Verkehrsrowdys kennt. Ob Hollandrad, Faltrad oder Singlespeed: Jedes Fahrrad steht für eine Lebenseinstellung.

Wenn etwas in der Gesellschaft so bedeutungsvoll geworden ist, findet es auch zwangsläufig seinen Weg in die Mode. Zwar sind die Models auf den Laufstegen noch immer zu Fuß unterwegs. Aber ein Radfahrer-Accessoire sieht man in diesem Jahr in vielen Kollektionen: die Biker-Sonnenbrille. Radsportbrillen liegen dicht am Gesicht an, sie sind gewölbt und haben eine relativ große Fläche, damit das Gesichtsfeld nicht eingeschränkt wird. Sie schützen das Auge vor dem Fahrtwind und vor Austrocknung sowie vor umherfliegenden Fremdkörpern und Insekten. Wer also sportlich Fahrrad fährt, der braucht eine entsprechende Brille. Die modischen Abkömmlinge dieser Brillen sieht man beispielsweise in den Kollektionen von Marine Serre, Balenciaga und Prada.

Die Sonnenbrille wird in den nächsten Jahren ohnehin wichtiger werden. Einst galt sie eher als ein Accessoire der Coolness, mit dem man die eigenen Augen verbarg und sich schwerer zu erkennen gab. In einer Zeit aber, in der die UV-Strahlung zum großen Feind der Menschheit geworden ist, in der man nicht mehr von Urlaubsbräune spricht, sondern von "Lichtschäden", bekommt die Sonnenbrille eine neue Bedeutung: Sie wird zum Schutzwerkzeug. Als solches wurde sie ja auch einmal erfunden. Schon die frühen Inuit der Arktis wussten, dass die Sonne nicht ihr Freund ist, und schnitzten sich aus Walrossbein brillenähnliche Augenmasken mit dünnen Sehschlitzen.

Der Erste aber, der eine Sonnenbrille schuf, die den heutigen Standards entspricht, war der Physiker William Crookes: Im Jahr 1913 verdunkelte er Brillengläser mit dem Element Cer. Diese Brille blockierte erstmals UV- und Infrarotlicht und hatte den Zweck, die Augen von Glasarbeitern bei ihrer Arbeit zu schützen.

War also der ursprüngliche Zweck einer Sonnenbrille, Menschen bei der Arbeit vor schädlichen Einflüssen zu schützen, werden deren Augen nun auch in der Freizeit geschützt – zum Beispiel beim Radfahren. Setzt man eine der aktuellen Radsportbrillen auf, sieht man außerdem sehr sportlich aus. Ganz ohne sich zu bewegen.

Foto: Peter Langer / Schützt vor Sonne: die Biker-Brille von Prada

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