Robin Wright und Clément Giraudet: Über bescheidene Hochzeiten

Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 35/2018

In diesen gewissen Sommernächten, wenn die Vögel kopfüber an den Bäumen hängen und die Fledermaus ihre schöne Melodei singt, spüren selbst wir unser romantisch lädiertes Gemüt. Dann regt sich in den Geheimratsecken unseres Herzens die pure Freude über das Liebesglück der anderen. In der Bunten lasen wir neulich zum Beispiel über die "heimliche Hochzeit" der Schauspielerin Robin Wright, wobei uns die klandestine Eventkomponente gar nicht so sehr umtrieb, da die Bunte ja alles als "heimlich" erachtet, wozu sie nicht eingeladen ist. Vielmehr war es der Satz, das Fest in der Provence sei sehr "Low Key" gewesen, und das bedeutet bekanntlich "bescheiden". Es ist gut, daran zu erinnern. Zumal, wie es gerade immer heißt, in diesen Zeiten.

Über Hochzeiten hören wir nämlich inzwischen die merkwürdigsten Dinge. Von Menschen, die sich über die feierlichsten Kutschen und Kieswege austauschen und über die besten Mietkellner reden, die pochiertes Zeug unter Silberhauben hereintragen und dabei alles live im Internet streamen können. Wir sehen die Nachbarn, die einen ganzen Streichelzoo aus Eisskulpturen im Garten fräsen, literweise Schwäne und sogar Engel, gegen die wir grundsätzliche Einwände haben, überall lassen sie ihre Federn herumliegen und üben zu Unzeiten Trompete. Und wir lesen über Prominente, die sich trauen lassen, während sie auf Wasserskiern von einer 200-Meter-Jacht gezogen werden, auf deren Oberdeck später noch dieser Österreicher direkt aus der Stratosphäre landen wird, um "Das Buffet ist eröffnet!" zu sagen. So was. Ist das zu glauben!

Auf den Bildern von Robin Wrights Hochzeit im Netz sehen wir dagegen locker gekleidete Gäste, eine Band, die "Bamboleo" spielt, keine Männer im weißen Smoking und keine Gesichter von Schuld und schlechtem Gewissen, weil Tante Gisela wieder verboten werden musste, etwas in Reimform vorzutragen, und ein entfernter Angeberonkel ein zu groß geratenes, abwegiges Geschenk gemacht hat, zum Beispiel einen Mähdrescher. Nein, wir sehen nur Fröhlichkeit, Ausgelassenheit und Menschen, die bei den Begriffen Bukolik und Anakreontik nicht sofort an verschreibungspflichtige Magenmedikamente denken. Wir sind nur etwas enttäuscht, dass wir nicht vorbeischauen, nicht bodenständig mittanzen durften, um den freiwilligen Selbstverzicht zu feiern. Falls also Menschen im heiratsfähigen Alter mitlesen: "Low Key" ab sofort nie wieder ohne uns. Wir verhalten uns auch unauffällig.

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