Sommer: Boah, bist du braun!

ZEITmagazin Nr. 35/2018
Ein heißer Sommer, wie dieser es war, hinterlässt auf der Haut Streifen, die uns noch sehnsüchtig an ihn erinnern, wenn es längst schon wieder kalt ist. Von

Bald, wenn es wieder kalt wird, beginnt die sommerliche Sehnsucht. Vergessen werden die Tage sein, an denen man dank Ausnahmehitze keinen klaren Gedanken fassen konnte, diverse Versuche unternahm, sich irgendwie abzukühlen, und sich nach der fünften Kugel Eis am Tag eingestehen musste, dass auch das einfach nichts bringt. Sehnsüchtig, weil man an die warmen Nächte denkt, die langen Gespräche auf den Straßen, das kollektive Gefühl von Leichtigkeit, das in der Luft liegt und alle miteinander verbindet – es sind diese Souvenirs des Sommers, die einen über den Herbst, Winter und Frühling bringen.

Aber da sind auch die Erinnerungen, die der Sommer auf der eigenen Haut hinterlässt. Sind es nicht gerade die berühmten Bräunungsstreifen, die tan lines, mit denen man nach dem Urlaub gerne angibt? Schließlich kommuniziert man so, ohne wirklich selbst kommunizieren zu müssen: "Ja wir hatten unfassbar gutes Wetter, ich habe die Zeit genossen, ich war draußen in der Sonne, im Freien, ICH HABE GELEBT! Hier ist der visuelle Beweis."

Dann gibt es auch die tan lines, die man gar nicht will, wie sie etwa den Mann auf der Illustration von Ana Popescu zieren. Diesen Sommer gab es fast keine Möglichkeit, sie zu vermeiden, weil es fast keine Möglichkeit gab, ihr, der Sonne, auszuweichen. So sieht man sich selbst nun versehen mit ungewollten Abdrücken: die zu hohen Socken, die das Bein eher semielegant in zwei optische Hälften teilen, der Schmuck am Arm, der niemals abgenommen wird und, wenn doch, trotzdem sichtbar bleibt, bis hin zur Brille, die einen dank der runden Form schon mal wie einen Pandabären aussehen lässt.

Und dann, wenn die kalten Tage da sind, ist man doch traurig, wenn sie verblassen, die Erinnerungen auf der eigenen Haut an diesen wahnsinnig heißen Sommer. Aber vielleicht gibt es hier eine emotionale Lösung dank der ungewollten Abdrücke, weil man sich noch ein bisschen trösten kann mit letzten langen Blicken auf diese merkwürdige Armbanduhr am Handgelenk, die keine Zeit anzeigt, sondern so viel mehr.

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