© Hollis Johnson

Apps 50 Ideen für ein besseres Smartphone

Das Angebot an bunten und lustigen Apps ist uferlos. Die Redaktion der ZEIT empfiehlt, welche Apps den Alltag tatsächlich einfacher, schöner, reicher machen. Von
ZEITmagazin Nr. 38/2018

Um zu erahnen, was für eine absurde Computerpower wir alle in unserer Hosentasche mit uns herumtragen, genügt die kurze Erinnerung an die erste Mondlandung im Juli 1969: Der Apollo Guidance Computer (AGC), mit dessen Hilfe drei Nasa-Astronauten zum Mond und wieder zurück zur Erde fanden, verfügte über 36 Kilobyte Speicherplatz. 32 davon waren mit Software belegt. Der Speicherplatz eines ganz normalen Smartphones ist inzwischen ein bis zwei Millionen Mal größer.

Und, machen wir Smartphonemenschen damit jetzt ständig Sachen, die zwei Millionen Mal toller sind als eine Reise zum Mond? Eher selten. Die Apollo-Mission zeigt: Es kommt nicht auf die Rechnerleistung an, sondern darauf, wie schlau man sie nutzt.

Als 2007 das erste iPhone auf den Markt kam, konnte man damit telefonieren, Musik hören, E-Mails verschicken und im Internet surfen – was will man mehr? Vor gut zehn Jahren dann, am 10. Juli 2008, eröffnete Apple seinen App Store, in dem alle möglichen Software-Applikationen (kurz: Apps) fürs iPhone angeboten wurden – und plötzlich konnte das Telefon scheinbar alles. Anfangs standen rund 500 iPhone-Apps zur Auswahl. Das war schon eine ganze Menge, aber gerade noch überschaubar dank der Unterteilung in Kategorien wie "Spiele", "Produktivität" oder "Reisen". Wenige Monate danach machte der ähnlich konzipierte Android Market auf, der inzwischen Google Play Store heißt. Allein in diesen beiden Läden stehen heute mehr als zwei Millionen Apps bereit. Da steigt kein Mensch mehr durch.

Aber irgendwo im digitalen Ozean müssen sie doch zu finden sein, diese wenigen, ganz besonderen Apps jenseits von Mail, Kalender, Twitter und Facebook, die das Leben im Jahr 2018 tatsächlich besser, schöner, reicher oder einfacher machen!

Um sie zu finden, haben wir das uferlose App-Angebot durch einen hochkomplexen Filter laufen lassen: die gesamte Redaktion der ZEIT. Alle, die für sie arbeiten, haben wir aufgerufen, die eine Lieblings-App zu nennen, mit der sie im Alltag gute Erfahrungen gemacht haben. 50 davon präsentieren wir auf den folgenden Seiten, mit kurzen Beschreibungen und namentlich beglaubigt. Nicht jede dieser Apps ist für jeden ein Muss – aber die Vielfalt der Interessen innerhalb unserer Redaktion ist so groß, dass für so ziemlich jede und jeden brauchbare Empfehlungen dabei sein dürften.

Mein Smartphone jedenfalls hat sich seit den ersten Tagen der iPhone-Ära nicht mehr so frisch und so sinnvoll angefühlt wie in den vergangenen Wochen, in denen ich die Lieblings-Apps meiner Kolleginnen und Kollegen eingesammelt und gesichtet habe. Ein Dutzend davon werde ich ab jetzt auch nutzen. Dutzende andere Apps, die seit Jahren kaum oder gar nicht genutzt vor sich hin dämmerten, habe ich dafür gelöscht – mit unerwartet großer Freude und einem Gefühl der Befreiung.

Apropos Reduktion und Einfachheit: So gut wie alle der empfohlenen Apps sind für Apple- und Android-Geräte verfügbar. Um unsere Empfehlungsliste übersichtlich zu halten, haben wir darauf verzichtet, die jeweils verwendete Version, das Betriebssystem oder die aktuelle Preisgestaltung zu nennen. Denn im ewigen Wettrennen der Updates und Upgrades ist immer alles in Bewegung – da hilft nur Angucken und Ausprobieren. Ähnliches gilt für das Thema Datenschutz: Vermeintlich kostenlose Apps werden bekanntlich oft mit persönlichen Daten bezahlt. Wie die App-Anbieter (in der jeweils aktuellen Version) mit Nutzerdaten umgehen, sollte man sich im Zweifelsfall genauer ansehen – und dann entscheiden, ob das für einen selbst akzeptabel ist oder nicht.

Und falls Ihre Lieblings-App nicht dabei sein sollte: Das Einsammeln und Weitergeben persönlicher App-Empfehlungen kann jetzt über die Apps von Twitter und Facebook gern weitergehen, unter #meinelieblingsapp.

1 Maps.me

Orientierung ohne Internetverbindung

"Warte, ich gucke auf die Karte!" Mit "Maps.me" ist man auch in fremden Städten immer bestens orientiert. © Richard Bram

Auf Reisen ist die Maps.me- App das bessere Google Maps, da sie auch offline funktioniert. Man muss vor der Reise nur die gewünschte Karte herunterladen und dann später das GPS auf dem Handy aktivieren. Diese App hat mich schon durch den philippinischen Dschungel gelotst, durch die Weinberge der Toskana und durch balinesische Reisfelder. In Panama hat sie mich vor Hurrikan Otto in Sicherheit gebracht, indem sie außer den überschwemmten Straßen auch Wege angezeigt hat, die sicherlich in keinem Atlas verzeichnet sind.

Nur einmal hat sie mich im Stich gelassen: In Johannesburg hielt sie neu gebaute Brücken für Kreuzungen. Ich kam trotzdem heil an.
Hanna Lauwitz, Redakteurin Social Media, ZEIT ONLINE

2 Social Chess

Schach spielen mit Menschen in aller Welt

Meine absolute Lieblings-App ist zurzeit Social Chess . Innerhalb dieser App kann man einstellen, auf welche Weise man Schach spielen möchte und gegen wen, also zum Beispiel nur mit Freunden oder auch mit Fremden. Es gibt zwei Spielmodi: Schnellschach, bei dem eine Zeit zwischen 3 und 90 Minuten gewählt werden kann, und Schachpartien, die sich über mehrere Tage erstrecken können. Nach einer verlorenen Partie kann man die Option "Revenge" wählen – wenn der Gegner mitspielt.

Je nach Spielerfolg wird die persönliche Elo-Zahl aktualisiert, die die Spielstärke von Schachspielern beschreibt. Es gibt auch die Möglichkeit, einfach anderen Spielern zuzuschauen. Ein besonders gutes Spiel wird im Chat-Bereich mit Emojis oder dem Kürzel "gg" (für "good game") kommentiert. Ansonsten: kein weiterer Social-Media-Schnickschnack.
Jutta Schein, ZEIT-Bildredakteurin (bei "Social Chess" angemeldet als Jusixtyone)

3 SkyView Lite

Erkundet das Universum

Meiner Meinung nach die beste App für alle Sternen- und Planetenliebhaber. Einfach das Handy vor sich halten und nach links, rechts, oben, unten bewegen. Man sieht, wo sich welcher Stern oder Planet gerade befindet, zu jedem gibt es auf Wunsch nähere Informationen. Und stehen besondere Ereignisse am Himmel an, wird man natürlich vorab informiert. Sehr zu empfehlen ist die App auch, wenn man nicht einschlafen kann: Es ist ein beruhigendes Gefühl, sich im Universum verorten zu können.
Ricarda Messner, ZEITmagazin-Mitarbeiterin

4 Argon Synthesizer

Eine App für Klangbastler

Die verrücktesten Klänge lassen sich mit dieser App konstruieren, und zwar weitaus freier als etwa mit GarageBand oder den meisten anderen Softwareprodukten. Ein Keyboard und diverse Knöpfe zum Verändern der Wellenformen der drei kombinierbaren Oszillatoren laden zum Herumspielen ein. Die Soundqualität ist beeindruckend, der Preis (2,29 Euro ) ist es ebenfalls. Die Klänge können abgespeichert und beliebig wiederholt werden (Loops). Der Synthesizer ist zwar monofon, spielt also immer nur einen einzelnen Klang. Das macht mir aber nichts aus: Ich benutze den Argon Synthesizer vorwiegend, um auf meinem iPhone Soli über vorproduzierte Klangteppiche zu spielen.
Gero von Randow, ZEIT-Redakteur im Ressort Politik

5 Leo

Ein Wörterbuch für acht Sprachen

Frankreich, Sommerurlaub, ein Restaurant am Strand, die Kinder haben Hunger. Die Speisekarte führt ein Gericht auf, das gut klingt, von dessen Hauptzutat wir aber noch nie gehört haben. Die Erklärungen des Kellners helfen auch nicht weiter. Also Handy raus: Leo. Diese App übersetzt: Schnecken. Lieber nicht.

Hamburg, ein Skype-Interview mit einem Professor in Amerika. Er redet und redet, kaum zu bremsen, als müsste er hier und jetzt eine Vorlesung über die Globalisierung halten. Jetzt schnell die eine entscheidende Frage stellen. Aber was heißt noch mal "Leistungsbilanzüberschuss" auf Englisch? Schnell in Leo nachschauen. Und schon wird aus einem Vortrag ein Gespräch.
Lisa Nienhaus, stellvertretende Leiterin des ZEIT-Ressorts Wirtschaft

6 Headspace

Entspannung aus den Ohrhörern

Wenn Sie beim Wort "Achtsamkeit" aufschrecken, könnte diese App genau richtig sein. Nein, es werden hier keine Vorträge über Zen-Buddhismus gehalten. Zweistündige Meditationssessions müssen Sie auch nicht absolvieren. Sie stecken sich einfach die Kopfhörer ins Ohr und schließen für zehn Minuten die Augen. Ich mache das fast jeden Morgen, um mich für den Tag zu sortieren. Was die freundliche Stimme in meinen Ohrhörern sagt, weiß ich gar nicht immer so genau. Aber sobald ich sie höre, entspanne ich mich. Es ist ein bisschen so, als würde der Geist Gymnastik machen – hinterher fühlt man sich erfrischt.
Khuê Pham, ZEITmagazin-Redakteurin

7 Vivino

Erkennt Weine

Ich trinke gerne Wein, nur geht mein Weingedächtnis leider nicht über ein paar Namen hinaus. Das ist allerdings kein Problem mehr, seit ich Vivino verwende. Damit sammle ich jetzt alle Weine, die mir gefallen, durch einen schnellen Scan und kann sie jederzeit nachbestellen. Und wenn mir in einem Restaurant der Wein schmeckt, kann ich jetzt innerhalb weniger Sekunden sehen, ob der Preis, den ich an dem Abend zahlen soll, auch realistisch ist – einige Gastronomen sind bestimmt keine Fans der App. Über 30 Millionen Nutzer machen mittlerweile bei Vivino mit, die Datenbank ist ziemlich beeindruckend. Nur einmal bislang, als ich in diesem Sommer in der Toskana einen fantastischen lokalen Weißwein getrunken habe, den ein Nachbar empfohlen hatte, wusste Vivino nicht weiter – zu unbekannt, zu klein. Und dieser Wein war natürlich das Allergrößte.
Christoph Amend, ZEITmagazin-Chefredakteur

8 Nebenan.de

Bringt Nachbarn zusammen

Mit dieser App der gleichnamigen Internetplattform können Nachbarn sich miteinander austauschen, Dinge verschenken oder verkaufen, Feten und Kaffeenachmittage organisieren. Ich habe über die App schon ein Sofa in einwandfreiem Zustand geschenkt bekommen, meinen Tiefgaragenstellplatz vermietet und Protagonisten für meine Artikel gefunden. Auffallend ist, dass hier auch Menschen angemeldet sind, die Facebook und Co. ablehnen.
Jana Luck, Hospitantin im ZEIT-Feuilleton

9 Motor-Talk

Ein Forum für Kfz-Tüftler

Lohnt sich das Sportlenkrad für 300 Euro? Bei "Motor-Talk" finden Sie auf alle Fragen zu Autos und Motorrädern eine Antwort. © Torsten Schumann

Als Fahrer eines bestimmten Autos oder Motorrads kann man sich über diese App mit anderen Fahrern austauschen und sich Tipps holen, wenn es Probleme gibt. Und es gibt natürlich ständig Probleme. Bei Motor-Talk steht eine riesige Fachkompetenz zur Verfügung und ein gewaltiges Meinungsspektrum zu allen Dingen, die Autos betreffen. Zum Beispiel kriegt man über Nacht zehn Antworten auf die Frage, warum die Bose-Anlage mit dem Smartphone schlechter klingt als mit dem Radio, oder auch fundierte Einschätzungen, ob sich die 300 Euro für ein Sportlenkrad lohnen. Selbst Autowaschen wird hier wie eine Wissenschaft behandelt, völlig zu Recht. Wie sehr Automarken immer noch als Identitätsstifter wirken: Hier kann man es erleben.
Jörg Burger, ZEITmagazin-Redakteur

10 1Password

Eine App für alle Passwörter

Kennen Sie das: RobertMaPa1993? Ja? Dann brauchen Sie dringend 1Password . Die App kostet vier Euro im Monat, aber dafür verwandeln Sie sich in einen Hund, der zufrieden in einer Babyschaukel sitzt. Wobei die Babyschaukel 1Password ist. So hat es jedenfalls neulich ein jüngerer Kollege (ergo ein Digital Native) erklärt, der mich und alle anderen in der Redaktion überzeugen wollte, dass das Leben mit einem Passwortmanager einfach besser ist. Die App speichert für jedes Nutzerkonto die Zugangsdaten und schlägt neue, sicherere Passwörter vor, wenn nötig. Nie mehr nach dem Login für Xing, Amazon, Paypal suchen! Und auch nicht nach dem WLAN-Schlüssel, der Sozialversicherungsnummer oder den Kreditkartendaten. 1Password speichert alles. Supersicher. In Kanada. Darauf gebe ich Ihnen meine Pfote.
Maria Exner, stellvertretende Chefredakteurin ZEIT ONLINE

11 Tabata-Timer

Eine Stoppuhr für das Intervall-Training – und einiges mehr

Mit dem Tabata-Timer kann man die Minuten und Sekunden der Intervalle beim Fitnesstraining einstellen, also die Länge der Einheiten und der Ruhezeiten. Endlich muss man nicht mehr ständig die nervige Stoppuhr stellen oder auf die Uhr im Fitnessstudio gucken. Sobald der Ton ertönt oder man eine Vibration spürt, weiß man, dass die Zeit für die Übung rum ist. Das ist auch sehr nützlich für Intervall-Läufe draußen, für Dehnungs- und Yogaübungen. Wer will, kann den Tabata-Timer auch beim Braten eines Steaks verwenden: drei Minuten je Seite anbraten, vier Minuten Ruhezeit.
Joana Ines Marta, Mitarbeiterin ZEIT ONLINE-Korrektorat

12 Flatastic

Stiftet Frieden in Wohngemeinschaften

Flatastic ist die App für ein harmonisches Zusammenleben in einer WG. Mit ihr kann man einen Putzplan anlegen, der alle an ihre Aufgaben erinnert. Diese können auch mit anderen WG-Mitgliedern getauscht werden. Sobald man eine Aufgabe erledigt hat, kann man diese abhaken und bekommt "WG-Punkte". Zudem kann man eine Einkaufsliste erstellen und die Ausgaben dafür in den Finanzplan eintragen. Die App rechnet dann aus, wer wem wie viel schuldet.

Während meines Studiums habe ich in verschiedenen WGs mit drei bis sechs Leuten gewohnt. Dank Flatastic blieben Streitereien um nachlässiges Putzen und Finanzen aus. Jedenfalls solange alle ihre Dienste in der App abgehakt hatten.
Katharina Sellier, Hospitantin in der ZEITmagazin-Grafik

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