Jessica Manafort Über wechselnde Nachnamen

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Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 39/2018
Paul Manafort, Vater von Jessica Bond, ehemalige Manafort © action press

Man kann nur vermuten, wie oft die Regisseurin Jessica Manafort, 36, in letzter Zeit versucht hat, ihren Nachnamen zu vernuscheln, wenn sie danach gefragt wurde. Es gibt jedenfalls einigen Grund anzunehmen, dass Manafort nicht mehr sehr glücklich war mit ihrem Nachnamen – und das einzig und allein, weil ihr Vater denselben Nachnamen trägt, wie das gewöhnlich so ist. Dieser Vater ist Paul Manafort, verurteilter Steuerbetrüger und Ex-Wahlkampfmanager von Donald Trump. Nun hat Jessica Manafort keine Lust mehr, ewig weiterzunuscheln, und hat, wie amerikanische Zeitungen berichten, einen Antrag auf Namensänderung gestellt. Sie will zukünftig lieber Bond heißen, Bond wie ihre Mutter. Dass sie gewillt ist, als Regisseurin von nun an Bond-Namenswitze zu ertragen, beweist, wie sehr sie wegwollte vom alten Namen.

Ist ihr Entschluss zuallererst eine beabsichtigte Strafe für den Papa, oder will sie nur nicht mehr auf ihn angesprochen werden? Ist auch ein bisschen feministischer Protest dabei gegen die vorherrschende Sitte, dass Männer den Familiennamen stellen? Alles unbekannt. Sicher ist aber, dass die freiwillige Namensstreichung zeigt, an wen die Amerikaner zuerst denken, wenn sie den Namen Manafort hören. Papas Taten sind noch bekannter als die Filme der Tochter. Und das kann Papa auch als Triumph für sich verbuchen.

Einigen Kindern, das mag Jessica Manafort Hoffnung geben, gelang es, ihren berühmten Nachnamen vergessen zu machen und mit dem Zweitnamen erst richtig durchzustarten. Angelina Jolie hieß mal Angelina Jolie Voight, aber ihr Erzeuger, die Schauspielerlegende Jon Voight, war kein guter Ehemann und auch kein guter Vater. Die US-amerikanische Sängerin Elle King hatte keine Lust mehr, im Schatten ihres Vaters Rob Schneider zu stehen, der Schauspieler war. Und der gerade sehr erfolgreiche deutsch-schweizerische Schriftsteller Benedict Wells wollte, als er mit der Schule fertig war, nicht mehr an seinen Opa erinnert werden, den Reichsjugendführer Baldur von Schirach.

Für alle Kinder seltsamer Väter, die gerade anfangen zu grübeln und sich fragen: "Ist das vielleicht auch was für mich? Wer weiß, was der Alte noch verbockt?": Eine Änderung des Familiennamens kostet in Deutschland höchstens 1000 Euro. Das geht doch, oder, liebe Dorothea Gauland, lieber Marcel Maschmeyer?

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