Dua Lipa "Die meisten aufmunternden Kommentare zu meinen ersten Songs kamen aus dem Kosovo"

© Neven Allgeier
Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 41/2018

"Kosovo? Wo genau ist das?" Das ist die Frage, die ich in meinem Leben öfter gehört habe als jede andere, gefolgt von: "Wie gefährlich ist es dort?" Meine Eltern mussten aus dem Kosovo fliehen, als dort der Krieg ausbrach. Sie wurden in England aufgenommen, ich bin in London geboren und aufgewachsen.

Dua Lipa zu heißen war für mich als Kind kein Vergnügen. Dua ist albanisch und bedeutet Liebe. Meine Großmutter hatte die Idee, mich so zu nennen. In der Schule fiel ich mit meinem Namen sofort auf. Ich wäre damals lieber ein ganz normales englisches Kind gewesen, mit einem Namen wie Jane oder so, ich wollte mich nicht von den anderen Kindern unterscheiden.

Ich erinnere mich so gut wie nie an meine nächtlichen Träume, aber wenn, dann geht es oft um Familie. Meine Familie ist alles für mich. Vielleicht liegt es daran, dass sie damals durch den Krieg auseinandergerissen wurde. Ich habe oft Déjà-vu-Erlebnisse, und zwar dann, wenn mich irgendetwas an Szenen aus Träumen erinnert, die ich eigentlich längst vergessen habe. Irgendwo in meinem Kopf sind die Träume gespeichert, sie kommen aber nur heraus, wenn etwas passiert, das mit ihnen zusammenhängt.

Vor Kurzem träumte ich von einem Familienangehörigen. In meinem Traum sprachen wir über seine Gesundheit, er sagte mir, dass es ihm nicht gut gehe. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, erfuhr ich, dass er genau in jener Nacht gestorben war.

Als Kind habe ich versucht, mich an meine Träume mithilfe eines Traumtagebuchs zu erinnern. Das hat mir dann aber meine Mutter ausgeredet. Sie sagte, dass es die Magie der Träume zerstören würde, wenn man versuchte, sie zu analysieren. Dann würden die Träume für immer aus dem Fenster fliegen, und man würde gar nicht mehr träumen. Danach schloss ich eine Zeit lang nachts immer die Tür, damit die Träume bei mir blieben.

Als ich meine ersten Songs bei YouTube gepostet habe, kamen die meisten aufmunternden Kommentare aus dem Kosovo. Die Menschen dort wollten, dass ich in der großen weiten Welt gut dastehe, denn uns Albaner aus dem Kosovo eint das Gefühl, dass wir füreinander da sein müssen. Viele von uns haben schwere Verluste erlitten und eine Menge aufgeben müssen. Wenn meine Eltern damals nicht nach London gegangen wären, hätte ich niemals diese Karriere als Sängerin gemacht. Mein Vater hat neulich ein Musikfestival in Pristina organisiert, bei dem ich aufgetreten bin. Das Festival diente auch dazu, dem Rest der Welt klarzumachen, dass der Kosovo nicht ein verwüstetes Stück Land am Ende der Welt ist.

Wenn die Leute hören, dass meine Familie aus dem Kosovo stammt, schauen mich manche von ihnen immer noch mitleidig an. Es ist mir wirklich ein Anliegen, den Blick der Menschen auf den Kosovo zu beeinflussen. Er ist heute völlig anders als zu Kriegszeiten, aber das bekommt anscheinend kaum einer mit. Eines Tages schaffen wir es vielleicht, in die EU aufgenommen zu werden. Das wäre auch ein Traum.

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Kommentare

5 Kommentare Kommentieren

Je nachdem, welche Regeln dafür außer Kraft gesetzt werden würden. Wenn sie die Bedingungen erreichen, kann man dem Land doch nur gratulieren.

Aber bitte nicht, wie einst Griechenland. Und auch der Austritt müsste einfacher möglich sein. An Griechenland sieht man ja wie schwierig es ist für schwache Länder mit einer starken Währung zu handeln. Deutschland trägt dort eine große Mitschuld.