Friseurbesuch Waschen, Schneiden, Stöhnen

© Illustration: Pavel Mishkin
ZEITmagazin Nr. 41/2018

Ich habe ein ambivalentes Verhältnis zu Friseurbesuchen. Einerseits gehe ich alle vier Wochen hin, weil ich mir sonst ungepflegt vorkomme. Andererseits – und ich mag da empfindlich sein – kommt mir die Stunde im Salon jedes Mal wie eine Aneinanderreihung peinlicher Momente vor. Neulich hat mich eine Situation regelrecht aus der Fassung gebracht. Der Friseur war dabei, mir die Haare zu shampoonieren, wie Eltern es mit Kleinkindern machen oder Hundebesitzer mit Golden Retrievern. Die Sache war: Er hörte damit gar nicht mehr auf. Er knetete und massierte mir minutenlang die Kopfhaut. Er wollte mir offenbar etwas Gutes tun. Es klingt idiotisch, aber ich dachte anfangs wirklich, dass er meine Begrüßung an der Tür und unseren Small Talk über die schöne Einrichtung des Salons als Flirt missinterpretiert haben könnte und seine Massage keine Standarddienstleistung, sondern echte, leidenschaftliche Zärtlichkeit war, quasi eine Vorstufe zum Knutschen.