Persönliche Gegenstände Zeigt her eure Sammlung

Die einen sammeln Steine, die anderen afrikanische Schilde oder Prototypen von Entwürfen. Sieben Designer präsentieren ihre persönlichsten Stücke. Protokoll:
ZEITmagazin Nr. 41/2018

Luke Edward Hall

Luke Edward Hall, 28, hat sich auf Keramik, Stoffe und Inneneinrichtung spezialisiert. Seine farbenfrohen Entwürfe erinnern an Jean Cocteau und beziehen sich ebenso auf Formen der griechischen Antike. Der Brite arbeitete unter anderem für Burberry. © privat
© Bill Batten

"Meine Sammlung besteht aus kleinen Objekten in Form von Früchten, Gemüse und Tieren, meistens aus Keramik, Glas oder Silber. Manche davon kann man praktisch nutzen, etwa als Schale, andere sind rein dekorativ. Ich habe etwa 20 bis 30 von diesen Stücken, jedes Jahr kommen neue dazu. Schon im Alter von zwölf Jahren brachte ich von einer Reise eine kleine Wolfsfigur mit. Überhaupt habe ich die meisten meiner Objekte im Urlaub gekauft. Ich finde es schön, von Souvenirs aus Orten umgeben zu sein, die ich bereist habe.

Die nützlichen Objekte meiner Sammlung verwende ich tatsächlich jeden Tag. Warum von einem langweiligen weißen Teller essen, wenn man auch einen in Krabbenform haben kann? Kürzlich war jemand bei uns zu Besuch und bemerkte, dass sämtliche Gegenstände in der Wohnung wie ein Fisch geformt sind. Zum Glück teilt mein Freund Duncan meine Leidenschaft für Maritimes. Letztes Jahr habe ich ihm eine silberne Garnele gekauft. Ich wusste, dass er sie lieben würde!"

Oona Bannon

Oona Bannon, 45, gründete zusammen mit ihrem Ehemann Russell das Londoner Designstudio Pinch. Gemeinsam entwerfen sie Möbel und Leuchten. Die Objekte sollen eine gemütliche Atmosphäre auf den Wohnraum ausüben, weshalb das Paar mit Vorliebe lebendige Materialien wie Holz und warme Farben verwendet. © privat
© James Merrell

"Ich bin vor allem an der emotionalen Bindung zu Gegenständen interessiert. Seien es die Gefühle der Person, die das Objekt erschaffen hat, oder meine eigene Reaktion, wenn ich es anfasse und benutze. In meiner Sammlung finden sich verschiedene Materialien, Texturen und Formen, die mich ansprechen. Das können beispielsweise kleine Skizzen sein oder eine gestrickte Socke. Ich mag es, mich mit Dingen zu umgeben, in die Menschen Zeit und Arbeit gesteckt haben. Eines meiner liebsten Objekte ist ein Porträt aus Tonerde, das meine jüngste Tochter von mir angefertigt hat. Es ist wunderbar unregelmäßig, und ich kann die Spuren, die ihre Hände bei der Bearbeitung hinterlassen haben, deutlich spüren. Ich glaube fest daran, dass alle Dinge, mit denen wir uns umgeben, eine Seele besitzen."

Ross Lovegrove

Ross Lovegrove, 60, hatte seine ersten Erfolge als Produktdesigner bereits kurz nach seinem Studienabschluss mit dem Walkman für Sony. Seine Entwürfe zeichnen sich durch eine organische Dynamik aus und erinnern an Formen aus der Natur. © privat
© privat

"Vor 30 Jahren begann ich mit dem Sammeln afrikanischer Stammeskunst. Mich interessiert ihre Nähe zur Natur und ihre Gegenkraft zu zeitgenössischer Präzision und Technologie. Inzwischen umfasst meine Sammlung etwa 350 Artefakte, darunter mehr als 100 Schilde in unterschiedlichen Größen. Diese Schilde wurden tatsächlich benutzt und waren eng mit dem Körper des jeweiligen Besitzers verknüpft. Sie tragen die Patina, die das Leben an ihnen hinterlassen hat. Wenn man sie nah am Körper hält, strahlen sie etwas sehr Mächtiges aus. Zu meiner Sammlung zählt auch einer der größten bekannten Schilde. Ich habe ihn auf der Portobello Road, dem berühmten Antikmarkt in London, gekauft. Der Händler versprach mir einen guten Preis, wenn ich ihn selbst nach Hause trage. Auf dem Rückweg musste ich alle 20 Meter anhalten, weil er so schwer war. Das war eine filmreife Szene, wie ich immer wieder stoppte, hinter dem Schild verschwand und wieder auftauchte. Einige Touristen beobachteten mich amüsiert."

Tina Roeder

Tina Roeder, 43, ist eine deutsche Künstlerin, die an der Schnittstelle zwischen Produktdesign und Skulptur arbeitet. Ein Teil ihrer Entwürfe ist im Vitra Design Museum in Weil am Rhein zu sehen. Ihr Partner ist Ward Hooper. © Pedro Gething
© Pedro Gething

"Wenn ich auf Reisen bin, trage ich immer ein Notizbuch bei mir, in dem ich alle Eindrücke und Gedanken festhalte. Darin finden sich zunächst Informationen, die ich im Vorfeld recherchiert habe. Also beispielsweise das Wetter an bestimmten Tagen oder ein ungefährer Plan, was ich wann machen möchte. Im Nachhinein ergänze ich dann diese Notizen mit meinen eigenen Tipps, was ich das nächste Mal anders oder besser machen würde. Während meiner Reise sammle ich kleine Dinge, die ich später in mein Reisetagebuch klebe. Das kann die Rechnung eines Restaurants sein; die Verpackung eines Crackers, der mir besonders gut geschmeckt hat; ein Lesezeichen aus einem Buchladen, den ich besucht habe; getrocknete Blätter eines Baumes, die bei einem Spaziergang am Wegesrand lagen; oder Fotos, Tickets, Sticker, Postkarten. Kurz gesagt: alles, was eine Erinnerung, ein Erlebnis verkörpert. Ich würde sagen, dass ich Geschichten sammle."

Ludovica Serafini

Ludovica Serafini, 57, ist eine italienische Architektin und Designerin. Bekannt wurde sie vor allem mit ihren Badezimmer-Entwürfen. Für Kartell by Laufen entwarf sie beispielsweise Badmobiliar aus hochwertigem Plastik, darunter der Hocker "Max-Beam", dessen Design den ikonischen Ulmer Hocker von Max Bill zitiert. © Margarita Senkova
© privat

"Meine Sammlung ist nicht seriell angelegt, ich bevorzuge eine ruhige und natürliche Herangehensweise. Zu Hause und in meinem Studio habe ich etwa zehn bis zwanzig Objekte. Ein Großteil stammt aus meiner Arbeit, beispielsweise Prototypen, die nicht in Produktion gingen. Dabei gefällt es mir, zu beobachten, wie sie sich mit der Zeit ändern, genauso wie auch mein Leben einem Wandel unterliegt. Die Gegenstände meiner Sammlung verändern sich also mit mir. Für mich ist Sammeln eine Kunstform – ein Künstler ist nicht nur jemand, der eine Idee hat und sie umsetzt, sondern auch jemand, der weiß, wie man Gegenstände auswählt und in Dialog zueinander setzt. Wenn ich beispielsweise meine kleine Sammlung an afrikanischen Ketten, die mich an eine schöne Reise erinnern, mit meinen Prototypen kombiniere, entsteht daraus eine neue Inspiration für meine Arbeit."

Ashley Hicks

Ashley Hicks, 55, ist ein britischer Autor, Architekt, Innenarchitekt, Möbel- und Textildesigner. Er ist der Sohn des renommierten Innenarchitekten David Hicks. Zuletzt gestaltete er für Christie’s London die räumliche Präsentation einiger Auktionsobjekte. © privat
© privat

"Ich sammle vor allem kleine Steine, Hölzer und Korallenstücke, die ich am Strand oder in der Landschaft von Oxfordshire, meiner Heimat, finde. Dabei bin ich sehr wählerisch und nehme nur Objekte mit, die eine gewisse Harmonie ausstrahlen. Wenn mein Blick während eines meiner Spaziergänge zufällig auf einen Gegenstand fällt, dann hebe ich ihn auf und halte ihn zunächst für einige Schritte fest. Ich muss die Form spüren, das Fundstück einige Male in meiner Hand drehen und dessen Beschaffenheit auf mich wirken lassen. Ich glaube, dass ich inzwischen mehrere Hundert dieser Objekte zusammengetragen habe. Für meine Arbeit als Designer sind diese Naturformen eine wichtige Inspirationsquelle. Manchmal bearbeite ich sie auch weiter und kombiniere einige meiner eigenen Entwürfe damit. An meinen Totemskulpturen kann man das deutlich erkennen: Sie gleichen einem Stapel aus bunten Steinen und Korallen."

Matteo Thun

Matteo Thun, 66, ist ein italienischer Architekt und Designer. Er ist auch in den Bereichen Grafik und Mode tätig. "Laurum marinus", das zweiteilige Set aus Kaffee- und Teekanne von 1982, gehört zu seinen bekanntesten Objekten. © privat
© Nacho Allegre

"Ich sammle Farbwelten. Von Bildern unterschiedlicher Künstler wie Masaccio, Caravaggio, Raffael, Cy Twombly, Yves Klein, Dan Flavin, James Rosenquist, Frank Stella oder Mark Rothko speichere ich die Farben in meinem Bildgedächtnis ab und bringe sie dann mit Buntstiften und Aquarellen zu Papier. Seit vielen Jahren sammele ich auch in meinem Garten: die Rottöne von Bougainvillea, die Blauschattierungen von Bleiwurz. Diese Farben fließen dann in meine Entwürfe von Wandtapeten, Badfliesen und Küchenwänden ein."

Kommentare

0 Kommentare Kommentieren