Die großen Fragen der Liebe: Muss sie seine Musik super finden?

Herbert Grönemeyer hat in seiner Karriere um die 20 Millionen Tonträger verkauft. Doch hilft die Anerkennung vieler, wenn die eine genervt ist? Das fragt er den Experten. Eine Kolumne von
Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 43/2018

Die Frage: Herbert, 62, ist ein erfolgreicher Musiker. Er fragt sich: Muss die Frau eines Berufsmusikers die Musik ihres Mannes gut finden, damit die beiden eine glückliche Beziehung führen können?

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Zum Künstler-Narzissmus gibt es einen Text von Heinrich Heine: Und bist du erst mein ehlich Weib, / Dann bist du zu beneiden, / Dann lebst du in lauter Zeitvertreib, / In lauter Pläsier und Freuden. / Und wenn du schiltst und wenn du tobst, / Ich werd es geduldig leiden; / Doch wenn du meine Verse nicht lobst, / Laß ich mich von dir scheiden. Genau gelesen, sagt das: Den Künstler nicht für sein Werk zu loben ist das Schlimmste, was seine Liebste ihm antun kann. So bleibt die Frage: Reicht dem Musiker die gemäßigte, nicht zum Groupie-Kreischen gesteigerte Anerkennung seiner Partnerin – oder muss er mehr haben? Auf die Erfüllung aller Erwartungen lässt sich nur eine Schönwetterbeziehung bauen. Sich in Differenzen zu respektieren und liebevoll mit ihnen umzugehen schafft eine festere Basis.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Zuletzt erschien sein Buch "Raubbau an der Seele. Psychogramm einer überforderten Gesellschaft" (oekom verlag).

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Kommentare

1 Kommentar Kommentieren

Danke für den Text von Heinrich Heine. Anstelle von "meine Verse" kann wohl sehr gut jedes Hobby, mit ganzem Herzen verrichtete Arbeit usw. eingesetzt werden, deshalb gilt es nicht nur für den Narzissmus der Künstler.

Jedes Paar sollte zu jedem Zeitpunkt der Partnerschaft verinnerlicht haben: Auf die Erfüllung aller Erwartungen lässt sich nur eine Schönwetterbeziehung bauen. Sich in Differenzen zu respektieren und liebevoll mit ihnen umzugehen schafft eine festere Basis.