Deutschland: Brieftaubenzüchter

Brieftauben wurden zum Hobby der Bergleute, weil die sich nach Himmelsblau sehnten. Deshalb kennt man die wackeren Rückkehrer vor allem an der Ruhr und in Thüringen.
Aus der Serie: Deutschlandkarte ZEITmagazin Nr. 43/2018

Verband deutscher Brieftaubenzüchter e.V. und eigene Berechnungen © Laura Edelbacher

Bergbau-Kumpel haben als Erste Brieftauben zu ihrem Hobby gemacht, weil sie in den Himmel gucken wollten anstatt in die Dunkelheit, damals im 19. Jahrhundert. Die Tauben werden weggefahren, an einen Ort, der zig Kilometer entfernt von ihrem Schlag liegt. Von dort fliegen sie zurück, während die Züchter warten und die Zeit stoppen. Brieftaubenzüchter findet man auch heute noch dort, wo früher viel Bergbau war: in Nordrhein-Westfalen und Thüringen. Dass Thüringen, welch Überraschung, die meisten Züchter pro Einwohner hat, liegt daran, dass nicht ganz NRW aus dem Ruhrpott besteht und dass in Städte wie Köln oder Düsseldorf viele Leute ziehen, die nichts von Tauben wissen. Nach Thüringen hingegen ziehen wenige. Es sind fast immer alte Männer, die das Hobby pflegen. Wer Tauben züchtet, der braucht Platz und Geld. Das erklärt, wieso in Berlin noch niemand das Hobby für retro und hip erklärt hat. Dabei gibt es Tauben, die von Bologna nach Bochum fliegen. Damit stärken sie den europäischen Gedanken: Sie kennen keine Grenzen – und vergessen nicht, wo sie herkommen.

Kommentare

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Der Bericht ist objektiv geschrieben. Durch die Preisflüge der Brieftaubenzüchter kommen nicht Tausende Brieftauben um. Natürlich gibt es Verluste von Brieftauben, wenn diese in ein Unwetter geraten. Kommen dann Menschen nicht um?
Die Brieftaube wird "Rennpferd des kleinen Mannes" genannt. Aber es ist ein sehr teurer Sport und man braucht Zeit und Platz. Die Brieftaubenzüchter/innen, die sich das nicht leisten können, werden nie zu den Meistern gehören. Aus Westfalen waren die mehrfachen Deutschen Meister K. und W. Stickling, das war ein Möbelfabrikant, der mehrere Brieftaubenschläge hatte und für jeden einen Schlagpfleger.
Geändert hat sich daran nichts.