Flüchtlingshilfe: Was ist Menschlichkeit?

Herbert Grönemeyer engagiert sich seit Jahren in der Flüchtlingshilfe. Er hat junge Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, für diese Ausgabe gefragt, was Menschlichkeit für sie bedeutet
ZEITmagazin Nr. 43/2018

"Nicht einmal Religionen sind ein Garant für Menschlichkeit. Wir brauchen Vernunft, Regeln und Gesetze. Der erste Artikel des Grundgesetzes zum Beispiel ist ein guter Anfang."
Zabih Muhammadi, 18    

"Manchmal brauche ich Hilfe, doch ich will niemanden belasten. Manchmal fühle ich mich so einsam und brauche Zeit für mich selbst. Aber meistens denke ich an die Menschen, die ich liebe, und muss stark für sie sein. Und manchmal lache ich, obwohl meine Seele weint."
Shashi kam 2015 als 18-Jähriger nach Berlin

"Menschlichkeit ist der Respekt vor anderen Menschen. Man sollte keine Vorurteile haben und die Religionen respektieren. Außerdem sollte man gegenüber anderen Menschen keine Gewalt anwenden."
Ibrahim floh als unbegleiteter Minderjähriger aus Afghanistan

"Menschlichkeit ist für mich, dass alle Menschen gleich sind und jeder über sein Leben entscheiden kann. Aber es ist leider auch menschlich, vor Fremden Angst zu haben und über das Leben von anderen entscheiden zu wollen."
Adnan ist 19 und lebt seit 2016 in Deutschland

"Bei der Familie zu sein, nicht mehr im Krieg zu leben oder sterben zu müssen, Hilfe zu bekommen, von völlig Fremden. Im Krieg gibt es keine Menschlichkeit."
Aya stammt aus Syrien

"Jeder hat eine andere Vorstellung, was Menschlichkeit bedeutet. Es kommt darauf an, was man erlebt oder im Leben gelernt hat. Menschlichkeit bedeutet für mich und meine Schwester, liebevoll, freundlich und respektvoll im Umgang mit anderen Menschen zu sein."
Wael ist 18 Jahre alt und kommt aus Damaskus

Kommentare

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Es wird Zeit, dass wir in Deutschland die Flüchtlinge auch als Menschen sehen und nicht nur als Fall in einer Akte. Jeder stelle sich mal vor, was er selbst in aussichtsloser Lage als Familienvater oder Mutter getan hätte. Würde nicht jeder für seine Familie nach jedem Strohhalm greifen?
Würde nicht jeder sein Geld in die stärksten Söhne investieren, damit wenigstens die es schaffen und selbst bei den kleinen Kindern bleiben? So läuft es doch. Dann kommt das Drama, dass durch die Flucht die Familien getrennt werden und sich oft für immer verlieren. Wie tief muss die Trauer sein, für die, die es hierher geschafft haben? Sie verdecken ihren Schmerz und versuchen, sich hier ein neues Leben aufzubauen. Wenn wir sie gewähren lassen und nicht Steine in den Weg legen, wie Arbeits- und Ausbildungsverbote. Was tun wir diesen Menschen an,
wenn wir erst Integration einfordern, dann aber trotz aller Bemühungen abschieben? Wenn nach zwei und mehr Jahren neue Bindungen entstanden sind und Hoffnung, wieder Wurzeln schlagen zu können, wenn die Jugendlichen ihren Weg in der Ausbildung finden, Freundschaften schließen und die Wege in unserem Behördendschungel begreifen lernen.
Ja, wir können in Deutschland nicht die ganze Welt retten, aber vielleicht die, die eh schon da sind und sich integrieren und unsere Gesetze achten. Wir brauchen für die Zukunft kürzere Entscheidungswege, die schnelle Verteilung der Flüchtlinge auf die Gemeinden und die sofortige Einbindung in Schule und Ausbildung