Schlüsselbund Der Schlüssel zum Erfolg

© Peter Langer
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Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 43/2018

Ingenieure geben sich alle Mühe, den Schlüssel abzuschaffen. Ganz so, als wäre er eine Geißel der Menschheit. Wer ein Auto kauft, bekommt dazu oft keinen Autoschlüssel mehr, sondern eine Chipkarte, mit der er das Fahrzeug öffnen kann. Auch in der Wohnung gibt es immer weniger Schlüssel. Viele Häuser öffnen sich mit Zahlencodes oder durch Fingerabdruck-Erkennung. All dies wird einem als Fortschritt verkauft, schließlich muss man nicht mehr verloren vor der eigenen Tür stehen, nur weil man den Schlüssel vergessen hat. Man hat ja die Chipkarte in der Geldbörse oder den Code im Kopf. Wenige denken daran, dass es auch schön sein kann, einen richtigen Schlüssel zu besitzen.

Der Schlüssel ist ein altes Symbol der Macht. Traditionell wird Petrus, der erste Jünger Jesu, mit einem Schlüssel dargestellt, damit öffnet er die Pforten des Himmels. Deshalb sind im Wappen des Vatikans Schlüssel abgebildet. Ein Sinnbild des Anspruchs, die Botschaft Gottes auf Erden zu sein. Wer einen Schlüssel besitzt, hat eben besondere Möglichkeiten.

Für Männer ist ein Schlüsselbund oft ein Schmuckstück. Weshalb zu den Accessoires von Luxusmarken auch stets Schlüsselanhänger zählen. Mancher versieht den Schlüsselbund sogar mit zusätzlichen Anhängern. Und oft ist mit einem Schlüssel eine Erinnerung verbunden, weshalb mancher den Schlüssel seines ersten Autos noch mit sich herumträgt, obgleich selbiges schon längst verschrottet ist. Dies kann zu einer beträchtlichen Sammlung am Schlüsselbund führen. Sie wird oft stolz vorgezeigt, denn wer viele Schlüssel besitzt, der ist offenbar ein wichtiger Mensch. Mit dem Alter wird vieles weniger beim Mann, die Muskeln, die Haare – nur die Schlüssel mehren sich.

Damit schließt der Schlüsselbund direkt an eine urtümliche Art des Männerschmuckes an. In der bayerischen Volkstracht gibt es das Charivari, eine Schmuckkette, welche die Herren am Latz der Lederhose tragen. Das Charivari wird mit den Jahren immer mehr mit Kleinoden wie Tierzähnen, Münzen oder Talismanen behängt. Selbst wenn sein Träger hinfälliger wird, das Charivari wird immer prächtiger.

Somit ist der Schlüsselbund das Charivari des bürgerlichen Mannes. Nur mit dem Nachteil, dass es keine wirklich würdige Art gibt, ihn zu tragen. Der Schlüsselbund steckt meist, unschön auftragend, in der Hosentasche oder beschwert die Innentasche des Jacketts. Hängt man ihn außen an die Hose, rasselt man damit wie ein Schlossgespenst. Es ist ein echtes Dilemma. Vielleicht hilft es da nur, sich zu besinnen und sich zu fokussieren. Petrus zum Beispiel trägt nur einen Schlüssel mit sich herum, den wichtigsten.

Foto: Peter Langer / Sesam, öffnet euch! Mit so einem Schlüsselbund hat man Zugang zu praktisch allem

Kommentare

19 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

ein schöner artikel in dieser zeit. wobei das ende doch etwas abrupt kam.

ruhig und unaufgeregt, wie wir es alle mal wieder lernen sollten zu sein,

ein guter schritt ist, keine tageszeitungen mehr zu lesen und keine nachrichten mehr zu schauen.

die meisten vermeintlich wichtigen dinge, haben sich eh innerhalb der woche von allein erledigt.

lasst uns mehr türen zu halten, als aufmachen. wir treten eh nur in räume ein, die wir nicht verstehen oder uns betreffen oder uns angehen.

zum test > eine we kein handy und soches - nur woanders (und ggf draussen) > wetten, sie wollen das geschnatter aus dem compzter nicht mehr.

wenn das viel machen würden, beruhigte es auch die politik und die menschen, die ein leben wie in einem dampfkochtopf leben.

schlüssel sind schön, wenn man nur wenige braucht.

Ich halte es beim Schlüsselbund wie beim Portemonnaie. Je schmaler, desto besser. Ich weiß nicht, wie Leute damit leben können, auf Portemonnaies von der Dicke eines Rumpsteaks herum zu sitzen, oder einen kartoffeldicken Schlüsselbund zu besitzen, der in keine Hosentasche mehr passt, schon gar nicht die kleine an der Jeans vorn rechts oben, die ja für Schlüssel gemacht zu sein scheint.
Mein eigener Schlüsselbund ist so spartanisch wie möglich - Haustürschlüssel, Wohnungsschlüssel, Garagenschlüssel, Chipanhänger für die Schließanlage auf Arbeit.
Was mich außerdem auf die Palme bringt: Leute, die ihren Autoschlüssel mit am normalen Schlüsselbund hängen haben und bei denen dann ein faustgroßer Wulst aus Schlüsseln am Zündschloß baumelt und klimpert (ganz zu schweigen von möglichem mechanischen Schaden am Zündschloß).