Die großen Fragen der Liebe Soll er ihr ein Ultimatum stellen?

Jede Woche beantwortet unser Paartherapeut eine große Frage der Liebe. Eine Kolumne von
Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 45/2018

Die Frage: Michael ist 34 und wünscht sich schon länger, dass die Beziehung zu seiner 29-jährigen Freundin Anna verbindlicher wird. Anna lebt seit sieben Jahren in einem winzigen Apartment und hätte nun gerne mehr Platz. Michael möchte die Chance nutzen und mit ihr zusammenziehen. Anna sagt nicht Ja und nicht Nein, es sei doch schön, wie sie bisher die Beziehung gelebt hätten! Kurz darauf überrascht sie Michael mit einer Neuigkeit: Sie gibt ihr Apartment auf und gründet eine Zweier-WG mit ihrer besten Freundin. Michael muss erst einmal heftig schlucken; das hat er nicht erwartet! Dann gärt es in ihm: Warum hat ihn Anna so enttäuscht? Er muss ihr ein Ultimatum stellen: Wenn sie nicht bereit ist, mit ihm den Alltag zu teilen, will er die Beziehung beenden!

Wolfgang Schmidbauer: Das Schmerzpotenzial einer gemeinsamen Wohnung wird oft unterschätzt. Anna scheut sich vor dem Zusammenwohnen mit Michael und stellt sich eine Wohnung mit ihrer Freundin gemütlicher vor. Das heißt nicht, dass sie Michael nicht liebt, wohl aber, dass sie sich fürchtet, mit ihm über Banalitäten wie Aufräumen und Abspülen zu verhandeln. Viele Männer haben einfach keinen Blick für solche Details. Michael sollte seinen Plan mit dem Ultimatum lassen, wenn ihm etwas an Anna liegt. Wenn er Druck macht, verstärkt das eher Annas Bedenken, dass sie ihren Freiraum verliert, falls sie sich auf das Projekt der gemeinsamen Wohnung einlässt. Nicht die gemeinsame Wohnung ist das äußere Zeichen einer engen Bindung, sondern das gemeinsame Kind.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Zuletzt erschien sein Buch "Raubbau an der Seele. Psychogramm einer überforderten Gesellschaft" (oekom verlag).

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