Die großen Fragen der Liebe: Passt sein Lebensrhythmus zu ihrem?

Jede Woche beantwortet unser Paartherapeut eine große Frage der Liebe. Eine Kolumne von
Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 47/2018

Die Frage: Maike und Tim haben sich auf einem Konzert kennengelernt und auf Anhieb gut verstanden. Seither sind sie fast jedes Wochenende zusammen. Am Montag, wenn sie sich den Schlaf aus den Augen wäscht und ins Büro geht, schläft Tim noch fest. Er jobbt in verschiedenen Clubs an der Bar und steht meist erst auf, wenn sie schon den halben Tag gearbeitet hat. Irgendwann überlegt Maike, ob es nicht gescheiter wäre, sich von Tim zu trennen – sein Rhythmus und Lebensgefühl passen einfach nicht zu ihrem. Er ist mit einem unsteten Leben zufrieden, das sie nicht aushalten würde. Von Donnerstag an freut sich Maike dann doch wieder auf das gemeinsame Wochenende. Aber hat das eine Zukunft? Er wird so schnell keinen Bürojob finden, sodass ihre Leben besser zusammenpassen.

Wolfgang Schmidbauer: Ein fester Job mit geregeltem Gehalt ist eine feine Sache, aber in Liebesfragen täuscht er Stabilität nur vor. Die von Maike als Fernziel ins Auge gefasste feste Beziehung führt zu Kindern; spätestens nach der ersten Geburt ist der kontrollierbare Ablauf von Tagen und Nächten durchbrochen. Wer hätte Einwände gegen einen Barkeeper als humorvoller Nachtvater für das Baby einer smarten Angestellten? Vielleicht zeigt Maikes Schwäche für Tim, dass sie auch eine abenteuerlustige Seite hat und mit einem zweiten Büromenschen gar nicht so gut klarkommt, wie sie glaubt. Ehe Maike nicht ausprobiert hat, ob Tim trotz seines anderen Lebensrhythmus an ihr interessiert ist, sollte sie der Beziehung eine Chance geben. Ein Paar kann an klaren Anfangsdifferenzen schon einmal üben, wie man Brücken baut und ob das in guter Stimmung gelingt.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Zuletzt erschien sein Buch "Raubbau an der Seele. Psychogramm einer überforderten Gesellschaft" (oekom verlag).

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