Neuengland: So komme ich da hin!

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Im herbstlichen Neuengland sind die Laubwälder golden und die Atlantikstrände windig. Ein guter Zeitpunkt also, es sich hier gemütlich zu machen. Von
ZEITmagazin Nr. 48/2018

1. Flug:

Massachusetts – müssen Sie da auch immer an Loriot denken? An den legendären Sketch "Mutters Klavier", in dem ein ferngereistes Instrument die große, weite Welt ins beschauliche deutsche Wohnzimmer bringt? Der Sketch eignet sich gut, um vor der Ankunft noch mal die Aussprache des Namens dieses Bundesstaats zu trainieren. Auf dem Flug nach Boston ist ausreichend Zeit dafür.

2. Zwischenstopp:

Im herbstlichen Neuengland sieht die Welt noch so adrett und einladend aus wie die Kulisse einer Ralph-Lauren-Reklame. Die Stadthäuser im Bostoner Stadtteil Beacon Hill haben lauschige, efeubewachsene Höfe und Erkerfenster, in der Tatte Bakery am Harvard Square bekommt man warme Brioche, Japanischer Ahorn leuchtet vor dem blauen Himmel, auf dem Campus wirbt ein Plakat für einen Zeichenkurs mit George W. Bush. Man möchte sich hier am liebsten auf der Stelle einen Golden Retriever zulegen und picknicken gehen.

3. Ankunft:

Nach dem Spaziergang durch Boston machen Sie sich auf den Weg ins gut eineinhalb Autostunden entfernte Harwich auf Cape Cod. Im Auto hören Sie zur Einstimmung The Piña Colada Song, darin schwärmt Rupert Holmes von Liebesabenteuern in den Dünen des Kaps (und meint Cape Cod): "If you like making love at midnight, in the dunes of the cape / I’m the love that you’ve looked for, write to me, and escape". Für hungrige Reisende lohnt sich der Umweg nach Falmouth, wo man in der C Salt Wine Bar Lachstatar oder Burger mit getrüffelten Fritten bestellen kann. In Harwich beziehen Sie ein gemütliches, taubenblaues Häuschen, das ein Paar über Airbnb vermietet. Wer gerne Frühsport treibt: Zum Strand sind es drei Kilometer, man joggt vorbei an goldenen Laubwäldern und den typischen holzvertäfelten Häusern mit Hortensienbüschen vor der Tür.

4. Frühstück:

An einem Flugplatz für Propellerflugzeuge in Chatham, einem Nachbarort von Harwich, befindet sich ein Frühstücksrestaurant mit Aussichtsterrasse, von der aus man bei gutem Wetter Flugzeuge starten und landen sieht. Drum herum ist gar nichts, aber die Hangar B Eatery ist ein echter Hotspot. Am Wochenende wartet man schon mal eine halbe Stunde auf einen Tisch. Dafür kann man sich auf die weltbesten Blaubeermuffins und Fisch-Tacos freuen.

5. Ausflug:

Um nach Provincetown zu gelangen, fahren Sie bis an den äußersten Zipfel von Cape Cod, was von Chatham aus ungefähr eine Stunde dauert. Das Pilgrim Memorial überragt die Stadt mit einem dem Torre del Mangia im italienischen Siena nachempfundenen Turm, der an die Ankunft der englischen Siedler auf der Mayflower im Jahr 1620 erinnert. Provincetown war nämlich der allererste Fleck Erde, den die Gäste aus Europa zu Gesicht bekamen. Von der Spitze des 77 Meter hohen Turms kann man bei steifer Brise die Aussicht über die Bucht von Provincetown bewundern.

6. Am Ziel:

Die Commercial Street am Strand ist die Hauptstraße von Provincetown, aber kein Vergleich zu den Fußgängerzonen mancher Ostseebäder. Hier gibt es Kunstgalerien und Designboutiquen, der New Yorker Interiordesigner John Derian ist auch vertreten. An der Hausnummer 521 tut sich zwischen den Häusern ein Weg auf – da liegt das Meer, spiegelglatt unter dem in der Abenddämmerung rosa gefärbten Himmel. Sie sind da.

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