Todesanzeigen Was von Männern bleibt

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In Todesanzeigen finden sich neuerdings statt Kreuzen und Engeln ungewöhnliche Symbole – und das fast immer nur bei Männern. Von
ZEITmagazin Nr. 48/2018

In den Todesanzeigen der Lokalzeitungen befinden sich an jener Stelle, wo traditionell Symbole christlichen Glaubens zu finden sind, heute oft Hinweise auf das Hobby oder den Beruf des Verstorbenen: Boxhandschuhe und Omnibusse statt Engeln und Kreuzen. Es wird eben nicht mehr so oft und so fest an Gott geglaubt wie früher, und der Platz in der Anzeige, wo früher das Kreuz stand, soll nicht einfach leer bleiben. Es soll dort etwas hin, das dem Verstorbenen heilig war.

Schon länger üblich war es, dass Innungen oder Lions Clubs ihren verstorbenen Mitgliedern Anzeigen widmen und dabei Wappen oder Logos mit abdrucken. Von hier wanderte das Berufliche langsam in die Traueranzeigen der Familien. Wir haben rund 3000 Todesanzeigen gesichtet. Symbole für Sportarten oder Berufe fanden wir fast ausschließlich in jenen Anzeigen, die Männern gewidmet waren. Frauen hingegen vertrauen weiter auf die Engel.

Auf dieser Seite zeigen wir eine kleine Auswahl der entdeckten Motive. Das Bild vom verlassenen Traktor etwa stimmt den Betrachter traurig. Er würde Ernst T. noch einige Runden darauf gönnen. Und was muss Ernst T. glücklich gewesen sein mit seinem Beruf! Die Vignetten wirken nicht deplatziert oder makaber. Sie fügen sich ein in den Trauerrahmen.

Dieser Brauch ist inzwischen so beliebt, dass einige Zeitungsverlage ihren Kunden in Musterbüchern für die Anzeigen neben einer Vielzahl von Rosen, Kreuzen und Engeln auch Kartenspiele, Angler, Feuerwehrhelme und Windsurfer anbieten. Andere Motive sind offenbar selbst gestaltet oder aus dem Internet gefischt.

Warum suchen sich Frauen so was fast nie aus? Sind sie gläubiger als ihre Männer? Sind ihnen Hobby und Beruf weniger wichtig? Oder neigen sie nur nicht zur Selbstinszenierung?

Es wäre aber nicht nett, diese Sitte als Angeberei auszulegen. Wer sich mit einem Paar Boxhandschuhe verabschiedet, will genauso als guter Boxer im Gedächtnis bleiben wie der, der sich betende Hände wünscht, als guter Christ.

Recherche: Friederike Milbradt

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