© Jelka von Langen

Adam Armoush Zündstoff

Im Frühjahr ging das Video eines jungen Mannes um die Welt, der in Berlin von einem anderen mit einem Gürtel geschlagen wurde, weil er eine Kippa trug. Es kam zum Prozess. Der Täter wurde verurteilt. Aber die Geschichte ist komplizierter. Von
ZEITmagazin Nr. 49/2018

Das kleine Stück Stoff, das Adam Armoushs Leben umkrempelte, liegt unter einer Glashaube im Foyer des Jüdischen Museums von Berlin. Menschen gehen ehrfürchtig darum herum wie um einen Schrein, betrachten es von allen Seiten und unterhalten sich leise auf Englisch, Spanisch oder Französisch. "Kippa des Anstoßes" steht auf der Tafel neben der Vitrine. Der 21-jährige Adam Armoush trug sie, als ihn am 17. April in Berlin ein anderer junger Mann auf der Straße angriff und mit seinem Gürtel schlug. Das Video, das Armoush dabei mit seinem Handy aufnahm, hat das Land aufgewühlt. Nun hat seine jeansfarbene Kippa ein Denkmal bekommen, noch bevor ihre Geschichte zu Ende erzählt ist. "Rapid Response" nennt die Kuratorin dieses neue Museumskonzept. Schnelle Antwort.