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Detektiv Hartungs Fälle

Wer ihn beauftragt, will zum Beispiel wissen, ob die Ehefrau fremdgeht oder die Mitarbeiter klauen. Eric Hartung ist der Geschäftsführer der Detektei Lux. Hier erzählt er, warum er Weihnachtsmärkte besonders im Blick hat, wieso er beim Beschatten kaum Kaffee trinkt und warum Olli Dittrich ein guter Detektiv wäre. Von

Auf der Frankfurter Zeil, zwischen Konstablerwache und Oberlandesgericht, schräg gegenüber der Polizeistation, sitzt in einem in die Jahre gekommenen Gebäude die Detektei Lux, eines der ältesten Detektivbüros Deutschlands. 1947 wurde es in Düsseldorf gegründet, 1954 folgte der Umzug nach Frankfurt am Main. Die massiven Schreibtische aus dunklem Holz samt passender Sideboards stehen seit Tag eins hier, der Teppichboden macht einen ähnlich alten Eindruck. Eric Hartung, 39, kurze Haare und stämmige Figur, arbeitet seit 2005 in der Detektei, inzwischen als Geschäftsführer, das Unternehmen beschäftigt acht Angestellte. Schon sein Vater hat hier gearbeitet.

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ZEITmagazin: Ich lasse das Diktiergerät im Handy mitlaufen, ist das okay für Sie?

Eric Hartung: Ich kann auch ein Aufnahmegerät holen, daran mangelt es bei uns nicht.

ZEITmagazin: Die Qualität der Aufnahme wäre wohl besser, als wenn ich mein Smartphone verwende, oder?

Hartung: Die Telefone sind heute sehr gut. Wir arbeiten auch oft mit Smartphones, die fallen weniger auf, übrigens auch, wenn wir fotografieren. In der Fußgängerzone, in der Bahn, im Supermarkt, jeder hat heute ständig sein Smartphone in der Hand. Sie würden gar nicht merken, wenn Sie fotografiert würden.

ZEITmagazin: Welche Rolle spielen Smartphones für Sie noch? Man liest ja ständig davon, dass etwa Politiker abgehört werden.

Hartung: Sie glauben gar nicht, wie oft hier Menschen sitzen, die fragen, wie viel es kostet, ein Handy hacken zu lassen und abzuhören. Die wenigsten sind sich bewusst, dass das strafbar ist. Schuld sind Fernsehserien, in denen so ein Quatsch gezeigt wird. Aber abgesehen davon, dass es verboten ist, ist das auch nicht so einfach.

ZEITmagazin: Aber theoretisch könnten Sie das schon?

Hartung: Man braucht das jeweilige Telefon schon in der Hand oder müsste über einen Link einen Trojaner schicken, per Mail. Aber wie gesagt: Das machen wir nicht, da wären wir alle schnell arbeitslos. Und die Beweise darf man vor Gericht ohnehin nicht nutzen.

ZEITmagazin: Einem gehörnten Ehemann sind Beweise vor Gericht doch egal, oder?

Hartung: Dem gehörnten Ehemann oder der Ehefrau sind gerichtsverwertbare Beweise zwar egal, uns aber nicht. Wir arbeiten im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten. Wir bekommen viele absurde Anfragen. Aber wir sind eine seriöse Detektei.

ZEITmagazin: Inwiefern absurd?

Hartung: Gerade bei Vollmond rufen vermehrt Menschen an, die sicher sind, dass sie mit Strahlen oder Ultraschall beschossen werden. Sie wollen, dass wir dem Verdacht nachgehen, weil ihnen keiner glaubt. Teilweise spüren sie wahrscheinlich wirklich etwas, das Thema Elektrosensibilität spielt da eine große Rolle. Hier im Büro stehen auch immer wieder Menschen, die ihr komplettes Hab und Gut in Plastiktüten verpackt haben – hochgebildete Männer oder Frauen, die meinen, sie würden verfolgt oder beklaut. Man kann sie dann fast schon direkt wegschicken, aber zuerst hört man sich das an und versucht zu helfen, was jedoch leider nicht immer möglich ist. Manchmal komme ich mir vor wie ein Psychologe. Vielen ist geholfen, wenn man zuhört. Aber damit verdiene ich natürlich kein Geld, da unsere Beratungsgespräche kostenfrei sind.

ZEITmagazin: Wer sind Ihre Auftraggeber?

Hartung: Zu uns kommen große Konzerne genauso wie die Hausfrau. Am häufigsten sind es mittelständische und kleinere Unternehmen. Wir haben auch Lokalprominente unter unseren Kunden, Politiker. Ein Querschnitt der Gesellschaft.

ZEITmagazin: Was wollen Firmen zum Beispiel durch Sie herausfinden?

Hartung: Bei vielen unserer Fälle geht es um Mitarbeiterüberwachung. Abrechnungsbetrug zum Beispiel oder falsche Krankmeldungen: wenn die Firmen Hinweise haben, dass der Angestellte in der angeblichen Krankheitszeit woanders arbeitet, sich selbstständig macht oder in den Urlaub fliegt. Wir arbeiten auch viel im Wettbewerbsrecht und Patentrecht: Dann ordern wir als Tarnfirma bestimmte Produkte, die gefälscht sind. Manchmal fliegen wir für solche Aufträge nach China, treten persönlich mit den Produzenten in Kontakt. Diese Firmen dürfen dann auf Messen nicht mehr ausstellen, wenn sich der Verdacht erhärtet. Und weil wir vorhin beim Abhören waren: Wir ermitteln auch in Sachen Lauschangriff, ob etwa Konferenzräume in Banken abgehört werden.

ZEITmagazin: Und bei Privatpersonen, wer kommt da öfter: Frauen oder Männer?

Hartung: Prozentual mehr Männer. Das liegt vielleicht auch am Einkommen. Oft geht es um Sorgerecht oder Ehebruch. Wenn es um Ehebruch geht, erwischen wir gefühlt mehr Frauen. Umgekehrt kommt es häufiger vor, dass eine Frau ihren Mann verdächtigt, sie zu betrügen, weil er so oft weg ist oder die Ehefrauen über das Wochenende verreisen und ihrem Mann nicht trauen, wenn er allein daheim ist. Teilweise wollen die Männer aber tatsächlich einfach nur ihre Ruhe haben. Aus unserer langjährigen Erfahrung können wir übrigens auch sagen, dass die Fremdgehrate in der Weihnachts- und Faschingszeit steigt. Wir werden da teilweise auf Weihnachtsmärkte, Weihnachtsfeiern und Karnevalsveranstaltungen geschickt, um Partner zu beobachten.

ZEITmagazin: Wie läuft das ab, wenn Sie jemanden beim Fremdgehen erwischen und die Nachricht dann der betrogenen Person überbringen?

Hartung: Wenn der Kunde es wünscht, informieren wir ihn kurz telefonisch. Und es ist oft weniger dramatisch, als man denkt, denn die meisten rechnen ja damit. Sonst geht man nicht zu einem Detektiv. Für die ein oder andere Ehefrau ist der Besuch des Ehemanns bei einer Prostituierten weniger tragisch, da heißt es dann: Besser, als wenn er sich für eine andere Mühe gegeben und sie zum Essen ausgeführt hätte. Richtig schlimm wird es, wenn es die beste Freundin oder der Bruder, die Schwester ist, dann fließen die Tränen. Bei Arbeitskollegen kommt Wut auf.

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