Detektiv Hartungs Fälle

© Julius Klemm

ZEITmagazin: Warum sind Sie Detektiv geworden?

Hartung: Mein Vater hat 46 Jahre für diese Detektei gearbeitet, als Kind habe ich viel hier abgehangen, ich kenne meinen Geschäftspartner und Mitgesellschafter schon mein ganzes Leben lang. Er ist wie ein Onkel.

ZEITmagazin: Also war Detektiv schon immer Ihr Traumberuf?

Hartung: Eigentlich nicht. Ich habe BWL studiert, und 2005 ist ein Gesellschafter ausgestiegen, und so hat sich das ergeben. Eigentlich wollte ich nur fünf Jahre bleiben. Jetzt bin ich immer noch da.

ZEITmagazin: Weil es so viel Spaß macht?

Hartung: Spaß und auch aus Loyalität. Ich habe immer gut von der Firma gelebt, schon als Kind. Es ist ein Job wie jeder andere. Spaß ist immer relativ. Es gibt schöne und weniger schöne Aufgabenbereiche in unserer Branche. So wie in jedem anderen Beruf auch.

ZEITmagazin: Wie viel verdient man denn?

Hartung: Wenn ich jetzt die Gehälter verrate, dann bekomme ich Ärger. Aber weit über Mindestlohn. Es hat sich noch nie jemand beschwert.

ZEITmagazin: Und wie genau wird man Detektiv?

Hartung: Detektiv werden kann theoretisch jeder, es ist kein Ausbildungsberuf. Deshalb gibt es sehr viel Konkurrenz. Es gibt einen Sicherheitsschein von der IHK, aber davon halte ich nichts. Ich habe gelesen, es gäbe 50.000 Detektive in Deutschland. Ich weiß nicht, ob die Zahl stimmt, ich weiß nur, dass darunter auch einige schwarze Schafe sind.

ZEITmagazin: Inwiefern?

Hartung: Kollegen, die nicht seriös arbeiten, die Kunden abzocken, zum Beispiel mit versteckten Kosten für die Berichterstellung, oder sie stellen eine Rechnung, ohne überhaupt die Beobachtung sachgerecht durchgeführt zu haben. Oft haben sie nicht mal ein Büro. Wenn jemand anruft, mieten sie eins in einem Hochhaus beim Messeturm. Das sieht dann schick aus, aber ist nur Fassade.

ZEITmagazin: Wenn es keine Ausbildung gibt: Wie akquirieren Sie neue Mitarbeiter?

Hartung: Tatsächlich fast ausschließlich über Bekannte, über Menschen, die uns empfohlen worden sind oder die wir selber akquirieren. Eine berufliche Ausbildung ist unsere Mindestanforderung. Entweder kaufmännisch, aber gerne auch aus dem Ingenieurwesen, für das technische Know-how und auch für Patentrechtsfälle. Wir arbeiten viel mit Anwälten zusammen in teilweise ziemlich komplexen Angelegenheiten, da können wir niemanden gebrauchen, der mit dem Mindestlohn zufrieden ist, aber vielleicht nicht in der Lage ist, komplexe Zusammenhänge oder den Sachverhalt zu verstehen. Abitur sollte man also bestenfalls schon haben, ist aber keine Pflicht.

ZEITmagazin: Was muss man sonst mitbringen?

Hartung: Kennen Sie den Film mit Olli Dittrich, König von Deutschland? Solche Typen brauche ich: unauffällige Durchschnittsbürger. Ich suche hier keinen James Bond und auch keinen muskelbepackten Bodybuilder. Hier braucht man Köpfchen, darf nicht auf den Mund gefallen sein, denn man muss ja an handfeste Informationen kommen. Einmal war ich in der Türkei und sollte Beweise dafür sammeln, dass eine Frau etwas mit einem Animateur angefangen hatte, dafür hatte ich drei Tage Zeit. Wenn man schüchtern ist oder nicht kommunikativ, dann kommt man da nicht weit.

ZEITmagazin: Wie kam der Auftraggeber darauf, dass die Frau mit einem Animateur in der Türkei anbandelt?

Hartung: Wie so oft gab es im Vorfeld vermehrt Streitigkeiten, und irgendwann ist die Frau allein in den Urlaub geflogen. Aus einer Woche wurden drei und letztendlich knapp zwei Monate. Der Auftraggeber hatte erst mal noch ein schlechtes Gewissen aufgrund der Streitigkeiten und hat den Urlaub und die Verlängerungen bezahlt, wurde dann aber irgendwann doch misstrauisch. Es ging ihm dann letztendlich auch ums Sorgerecht, da die Frau das gemeinsame Kind bei ihm in Deutschland gelassen hatte. Es geht überhaupt oft um Kinder.

ZEITmagazin: Machen Sie sich als Detektiv Feinde?

Hartung: Ich hoffe nicht. Oberstes Ziel ist ja, dass wir unentdeckt bleiben. Im Fall der Türkei-Recherche wurde ich ein Jahr später zur Hochzeit eingeladen – von der observierten Dame und dem Animateur. Hat also keiner etwas gemerkt.

ZEITmagazin: Wie hat sich das Geschäft hier in Frankfurt verändert?

Hartung: Die Aufträge sind seit Jahrzehnten ziemlich die gleichen. Aber das Marketing war früher viel einfacher. Lange haben wir die Telefonzellen in ganz Frankfurt mit Lux plakatiert. Man hatte die Telefonbücher und Gelben Seiten, das war’s. Heute mit Google und den sozialen Plattformen ist das viel aufwendiger, aber ohne würde es gar nicht mehr gehen.

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